71 DSD 2 | 2026 EUROPA aussetzung gesellschaftlicher Resilienz. Denn nur eine Branche mit ausreichend qualifiziertem Personal kann im Krisenfall zuverlässig funktionieren. Hier liegt es an den Sozialpartnern, Lösungen zu finden, die sowohl Marktbedingungen als auch Erwartungen der Mitarbeitenden besprechen. Wettbewerbsfähigkeit entscheidet über Resilienz Neben dem Fachkräftemangel sieht die CoESS daher auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen als zweite zentrale Voraussetzung für effektive Krisenvorsorge. Denn nur wirtschaftlich stabile Unternehmen können langfristig in Innovation und Personal investieren. Für Wettbewerbsfähigkeit benötigt es aber auch Planbarkeit, Investitionssicherheit und funktionierende Märkte. Investitionen benötigen Verlässlichkeit. Und genau hier besteht auf politischer Ebene dringender Handlungsbedarf, auch in Brüssel. Besonders deutlich wird dies beim Thema Drohnen. Obwohl Drohnen enormes Potenzial für den Schutz Kritischer Infrastruktur und die öffentliche Sicherheit bieten, zögern viele Unternehmen mit Investitionen. Der Grund: hohe administrative Anforderungen und anhaltende Rechtsunsicherheit in Genehmigungsverfahren – Resultat der EU-Drohnenverordnung. Die CoESS engagiert sich deshalb seit Jahren im Dialog mit der Europäischen Kommission und der europäischen Luftfahrtbehörde EASA. Gemeinsam mit nationalen Verbänden wie dem BDSW bringt der Verband konkrete Vorschläge ein – etwa neue Standardszenarien für Drohnenflüge zum Schutz Kritischer Infrastruktur. Noch grundsätzlicher bewertet der Verband jedoch die Probleme im öffentlichen Vergabewesen. Sicherheitsdienstleistungen werden in vielen Ausschreibungen weiterhin fast ausschließlich nach dem niedrigsten Preis vergeben. Unternehmen, die sich an Tarifverträge halten und in Qualität, Ausbildung und Innovation investieren, geraten dadurch strukturell unter Druck. Deshalb macht die CoESS die aktuelle Reform der europäischen Vergaberichtlinie zu einer ihrer wichtigsten politischen Prioritäten. Der Verband argumentiert, dass öffentliche Sicherheit nicht dauerhaft über den billigsten Anbieter organisiert werden könne. Wer über Resilienz spreche, dürfe gleichzeitig die Qualität sicherheitsrelevanter Dienstleistungen nicht systematisch untergraben. Mehr Anerkennung für die Branche – rechtlich und operativ Neben wirtschaftlichen Fragen fordert die CoESS vor allem aber auch mehr politische und operative Anerkennung der Sicherheitswirtschaft. Besonders deutlich wird dies beim Thema Drohnenabwehr. Nach Ansicht des Verbandes kann der Staat den Schutz sämtlicher Kritischer Infrastruktur gegen Drohnenangriffe nicht allein gewährleisten. Gleichzeitig fehlt privaten Sicherheitsakteuren in vielen EU-Mitgliedstaaten ein klarer Rechtsrahmen, um gegen eindeutig feindliche Drohnen vorzugehen. Die CoESS bringt dieses Thema seit Jahren in Expertengruppen der Europäischen Kommission ein. Wenn Sicherheitsunternehmen Verantwortung übernehmen sollen, brauche es dafür auch die entsprechenden rechtlichen Grundlagen. Darüber hinaus fordert der Verband eine engere operative Zusammenarbeit zwischen Behörden und Sicherheitswirtschaft. Die CoESS setzt sich deshalb für gemeinsame Einsatzprotokolle und Krisenübungen mit Polizei, Rettungsdiensten und Sicherheitsunternehmen ein. Ein Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit sieht der Verband in Schweden. Dort arbeitet das Verteidigungsministerium bereits eng mit der Sicherheitswirtschaft zusammen, um sicherzustellen, dass auch im Krisen- oder Verteidigungsfall ausreichend Personal zum Schutz Kritischer Infrastruktur verfügbar bleibt. Für die CoESS zeigt genau das, worauf es künftig ankommt: Krisenvorsorge funktioniert nicht ad hoc. Sie braucht vorbereitete Partnerschaften, klare Rollen und gegenseitiges Vertrauen zwischen Staat und Wirtschaft. Die Sicherheitswirtschaft, so die zentrale Botschaft des Verbandes, leistet ihren Beitrag längst – jeden Tag. Die eigentliche Frage sei inzwischen nicht mehr, ob Europa die Branche brauche, sondern ob Europa bereit sei, ihre Rolle vollständig anzuerkennen und ihr die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial für die öffentliche Sicherheit voll auszuschöpfen. Bild: Antoine Schibler/www.unsplash.com
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