70 DSD 2 | 2026 EUROPA Krisenvorsorge in Europa funktioniert nicht ohne die Sicherheitswirtschaft Von Alexander Frank Naturkatastrophen, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und geopolitische Spannungen verändern das Verständnis von Sicherheit in Europa grundlegend. Während die EU- Kommission daher mit ihrer„Preparedness Union Strategie“ Krisenvorsorge zur politischen Priorität erklärt, rückt auch die Sicherheitswirtschaft stärker in den Fokus. Für die CoESS ist klar: Resilienz entsteht nicht erst im Ernstfall, sondern durch strategische Vorbereitung, Investitionen und funktionierende Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft. Die Vorstellung, Krisenmanagement beginne erst mit dem Eintritt einer Krise, gilt in Brüssel inzwischen als überholt. Überschwemmungen, Waldbrände, die COVID19-Pandemie oder großflächige Stromausfälle haben gezeigt, wie verwundbar unsere Gesellschaften geworden sind. Gleichzeitig wachsen die Risiken durch hybride Konflikte, Sabotage und Terrorismus. In dieser neuen Realität übernimmt die Sicherheitswirtschaft europaweit immer häufiger Aufgaben, die weit über klassische Bewachung hinausgehen. Sicherheitsunternehmen unterstützen bei Evakuierungen, sichern Kritische Infrastruktur, stabilisieren öffentliche Ordnung bei Blackouts, entlasten Behörden in Ausnahmesituationen und leisten Erste Hilfe bei Terroranschlägen. Leider geschieht dies jedoch häufig im Ernstfall nur ad hoc, ohne Koordinierung und präventive Einbindung der Branche. Die EU setzt auf Krisenvorsorge Mit der „Preparedness Union Strategie“ verfolgt die Europäische Kommission erstmals einen umfassenden Ansatz zur Krisenvorsorge, der ausdrücklich auch die Privatwirtschaft und die Sozialpartner einbezieht. Für die CoESS ist das ein wichtiger Schritt. Der europäische Dachverband der Sicherheitswirtschaft arbeitet seit Jahren daran, das Verständnis auf EU-Ebene zu stärken, dass die Branche ein strategischer Partner für die öffentliche Sicherheit und damit der europäischen Krisenvorsorge und Resilienzpolitik ist. Dabei betont die CoESS immer wieder: Strategiepapiere allein reichen nicht aus. Entscheidend seien die operative Umsetzung und deren Rahmenbedingungen. Fachkräfte als Sicherheitsfaktor Ein zentrales Thema ist dabei der zunehmende Fachkräftemangel. Für die CoESS ist klar: Der Personalmangel in kritischen Dienstleistungen ist längst nicht mehr nur ein wirtschaftliches Problem, sondern ein Sicherheitsrisiko. Wenn Europa resilienter werden soll, benötigt die Branche ausreichend qualifizierte Mitarbeitende. Um besser zu verstehen, wie sich die Attraktivität des Berufs steigern lässt, führte die CoESS daher gemeinsam mit dem BDSW und europäischen Sozialpartnern das EU-geförderte INTEL-Projekt durch.1 Mehr als 2.000 junge Beschäftigte aus der Sicherheitswirtschaft wurden im vergangenen Jahr zu ihren Erwartungen an den Beruf befragt. Die Ergebnisse waren eindeutig: Faire Bezahlung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, hochwertige Ausbildung und klare Karrierewege stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Für die CoESS ist das mehr als eine Personalfrage. Attraktive Arbeitsbedingungen gelten als Vor- 1 www.securityskills.eu Bild: Gabriel Signor/www.unsplash.com Stellv. Generaldirektor der CoESS – Confederation of European Security Services www.coess.eu Alexander Frank
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==