LUFTSICHERHEIT 6 DSD 2 | 2026 Zwischen Schockwellen und Strukturwandel Eine Standortbestimmung der deutschen Luftverkehrswirtschaft und unserer Sicherheitsbranche zur Jahresmitte 2026 Von Tobias Soppart Seit Ende Februar erleben wir, wie verletzlich der globale Luftverkehr geworden ist. Infolge der militärischen Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran haben mehrere Staaten ihre Lufträume unvermittelt gesperrt. An sieben Großflughäfen der Region fielen an einem einzigen Wochenende über 3.400 Flüge aus. Die Lufthansa Group hat ihre Verbindungen unter anderem nach Tel Aviv, Beirut, Amman und Teheran teils bis weit in den Herbst ausgesetzt. Carsten Spohr nannte die Abhängigkeit von den Golf-Drehkreuzen eine geopolitische Achillesferse. Er hat recht. Hinzu kommt ein zweites Risiko, das den deutschen Luftverkehr unmittelbar erreicht: die Sorge vor einer Kerosinknappheit. Rund die Hälfte der EU-Kerosinimporte stammt nach Angaben des Flughafenverbands ADV aus der Golfregion. Die Internationale Energieagentur und der BDL warnen vor Versorgungsengpässen ab dem Sommer. Selbst ohne akuten Mangel erhöhen Treibstoffkosten und Planungsunsicherheit den Druck auf die Airlines weiter. Parallel dazu setzt sich der Strukturwandel im deutschen Streckennetz fort. Die Lufthansa hat kürzlich 20.000 europäische Kurzstreckenflüge bis Oktober gestrichen, darunter zahlreiche innerdeutsche Frequenzen. Darüber hinaus zieht Ryanair zum 24. Oktober seine Berliner Basis ab; sieben Flugzeuge wandern in Länder mit geringerem Steuer- und Abgabeniveau. Die Botschaft ist eindeutig: Standortkosten und Wettbewerbsfähigkeit bleiben das zentrale strukturelle Problem der deutschen Luftverkehrswirtschaft. Für uns Luftsicherheitsdienstleister hat das unmittelbare Konsequenzen. Weniger Flüge bedeuten weniger Passagiere, Personal und Gepäck an den Kontrollstellen. Wer Aufträge und damit Arbeitsplätze sichern will, muss seinen Wertbeitrag deutlich machen. Erhalt ist kein Selbstzweck. Und die Zeichen stehen auf Insourcing: Die Flughafenbetreiber in der „Neuen Welt“ – Frankfurt, Berlin Brandenburg, Köln/Bonn und ab dem 1. November 2026 auch Stuttgart – steuern Vergabe und Investitionen heute selbst. Allein für die Modernisierung der Sicherheitskontrollen an den bisherigen Neue-Welt-Standorten werden kumuliert mittlere zweistellige Millionenbeträge aufgewendet. Auch außerhalb der Neuen Welt setzen die Gesellschafter Maßstäbe: Der Freistaat Bayern investiert mehr als 45 Millionen Euro in moderne CT-Technik an den bayerischen Verkehrsflughäfen. Wer an solchen Standorten tätig sein will, muss in Sachen Kosten, Servicequalität und Flexibilität auf demselben Niveau agieren. Reines Abarbeiten von Vorgaben reicht nicht mehr. Zugleich steigen die Sicherheitsanforderungen der Flughäfen und ihrer Nutzer. Drohnensichtungen, hybride Bedrohungen, das neue KRITIS-Dachgesetz und weitere regulatorische Entwicklungen verändern die Bedarfe schneller, als betreibereigene Sicherheitsabteilungen Lösungen entwickeln können. Das ist für spezialisierte Dienstleister eine immense Chance. Von ihr profitieren werden aber nur Anbieter, die Personal, Technik und Prozesse zusammenführen. Vor diesem Hintergrund weist das auf den Luftsicherheitstagen im März entworfene Zielbild 2040 in die richtige Richtung. Die Frage ist jedoch nicht, wo wir in 14 Jahren stehen wollen. Die Erwartungen unserer Auftraggeber und die Anforderungen der Bedrohungslage gelten heute. Warum unsere Branche jetzt liefern muss und wie Securitas sich positioniert, lesen Sie in unserem Fachbeitrag auf Seite 16. Vizepräsident des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) und Vice President Aviation bei Securitas Deutschland securitas.de/aviation Tobias Soppart
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