DER SICHERHEITSDIENST

WIRTSCHAFT UND POLITIK 51 DSD 2 | 2026 Cybercrime Cybercrime war 2025 und bleibt auch 2026 die insgesamt größte kriminelle Bedrohung, auch für Unternehmen. Seit Jahren wird die Kriminalität immer digitaler. Ursachen sind zum einen die fortschreitende Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche, zum anderen der Vorteil für die Kriminellen, aus dem Verborgenen heraus und vom Ausland her zu operieren und anonym zu bleiben. 2025 registriert die PKS (in Tausend) 126 Fälle von Cybercrime, 104 Fälle des Computerbetrugs, 9,4 der Datenausspähung, 2,3 Fälle der Datenverarbeitung und Computersabotage. Über dieses Cybercrime im engeren Sinne hinaus fallen unter Cybercrime im weiteren Sinn alle Delikte, die unter Missbrauch von Informationstechnik begangen werden. Und schon 2024 wurden mehr als 200.000 Computerdelikte nicht in der PKS registriert, weil sie vom Ausland oder einem unbekannten Ort aus begangen wurden. Der Trend ist auch 2026 ansteigend. Nach dem von der europäischen Behörde ENISA vorgelegten Bericht „Threat Landscape 2025“ steht Ransomware weiterhin im Zentrum der Angriffe, zumal die Cyber-Botnetze nach Ermittlungserfolgen ihre Strukturen dezentralisiert und Taktiken geändert haben. Zunehmend zielen die Angriffe nicht primär auf Lösegeldzahlungen ab. Die Erbeutung von Zugangsdaten, die sich im Darknet gut weiterverkaufen lassen, spielt eine immer größere Rolle. Hackingangriffe verfolgen ganz unterschiedliche Ziele. Zumeist sind sie auf den Diebstahl von Daten ausgerichtet. Etwa ein Viertel der Phishingmails zielt bei Angriffen auf Unternehmen auf Daten von Vorständen oder Systemadministratoren. Im Darknet werden bereits „Phishing as a Service“-Plattformen angeboten. Im Zuge der gegenwärtigen geopolitischen Entwicklungen nehmen hacktivistische DDoS (Distributed Denial of Service)-Angriffe weiter zu (BKA, Bundeslagebild Cybercrime 2024). Die Verbreitung von Schadsoftware ist ein zentrales Delikt der Cyberkriminellen und erfolgt multifunktional. Trotz des leichten Rückgangs von Fällen des Computerbetrugs bleibt er das häufigste Ziel von Cyberkriminellen. In einer Umfrage des Bankenverbandes im Herbst 2025 gab ein Viertel der 1.000 Befragten an, sie seien binnen zwei Jahren Opfer eines Onlinebetrugs geworden. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) macht es Firmen zunehmend schwer, Betrugsabsichten klar zu erkennen. Eine Analyse von „Threat Labs“ des IOT-Sicherheitsunternehmens Gen kommt zu dem Ergebnis, dass bereits jede vierte Anzeige auf den Meta-Plattformen Facebook und Instagram in Deutschland einen Betrugsversuch darstellt. Das BSI warnt vor der neuen Betrugsmasche „Ghost Pairing“ (giga.de am 30. Januar 2026). Der Angriff beginnt meist mit einer Nachricht, die scheinbar von einem Freund stammt. Sie enthält einen Link, der auf eine täuschend echt aussehende Webseite führt. Sie zeigt einen Code an, der angeblich der Sicherheit dienen soll. Wer den Code in die eigene Whatsapp eingibt, gestattet einem fremden Gerät vollen Zugriff auf sein Konto. Eine der neuesten Betrugsmaschen heißt "Revovery Scam". Damit nutzen Kriminelle die Hoffnung von Menschen aus, die Opfer eines Betrugs geworden sind, ihr Geld zurück zu bekommen. Wie das BSI im Lagebericht 2025 mitteilt, wurden im Berichtszeitraum (Mitte 2024–Mitte 2025) täglich durchschnittlich 119 neue Schwachstellen bekannt. Nach dem ENISA-Bericht „Threat Landscape 2025“ bildet die Ausnutzung von Schwachstellen mit über 21 Prozent den zweithäufigsten Angriffsvektor. KI kann Cybersecurity verstärken. Aber sie ist auch für den Missbrauch durch Kriminelle hervorragend geeignet. So werden Phishingmails durch den Einsatz von KI sprachlich professioneller und persönlicher. Das jüngst entwickelte Modell„Claude Mythos“ von Anthropic, mit dem Tausende schwerwiegende Schwachstellen gefunden worden sind, könnte verheerende Auswirkungen haben, wenn es Hackern in die Hände fiele (FAZ vom 14. April 2026). Silicon.de beschreibt am 30. März 2026 die „Ära autonomer Betrüger“, wenn KIAgenten Identitäten kapern. In Deutschland steigen Angriffe mit Deepfakes und synthetischen Identitäten aktuell stark an. Nach einer Umfrage der Allianz Versicherung ist KI auf der Liste der für Unternehmen gefährlichen Bedrohungen inzwischen von Platz 10 auf Platz 2 vorgerückt. Fazit Die Sicherheitslage für die Wirtschaft bleibt 2026 weiterhin angespannt, und das trotz hervorragender Präventionsleistungen der Sicherheitswirtschaft und der Sicherheitsbehörden. Dabei ist – wie die zeitgleich mit der PKS 2025 veröffentliche Dunkelfeldstudie des BKA„Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (SkiD) zeigt – das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung grundsätzlich hoch. Bezogen auf die Wohngegend hat es sich nachts gegenüber 2020 leicht erhöht (um 2 Prozent auf 74 Prozent). Allerdings fühlen sich 45 Prozent nachts besonders im ÖPNV unsicher, 27 Prozent auf Straßen und Plätzen und 22,8 Prozent in Parks.

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