DER SICHERHEITSDIENST

LUFTSICHERHEIT 11 lagen versetzt. Der Ansatz folgt dem Prinzip „Go in biases and learn from them“ und stärkt die Fähigkeit, eigene Wahrnehmung kritisch zu prüfen. Damit wird Ausbildung praxisnäher, resilienter und international vernetzter. GDAZ: das neue Nervenzentrum der Drohnenabwehr Der zweite Tag der gemeinsamen Luftsicherheitstage begann mit einer Zahl, die den Handlungsdruck sichtbar macht: 149 Drohnenüberflüge an deutschen Flughäfen. Der Leiter des gemeinsamen Aufbaustabes des Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums (GDAZ), Polizeidirektor Dipl.-Ing. Sebastian Schulte, stellte einen Verbund der Polizeien von Bund und Ländern, des Bundeskriminalamtes (BKA) und der Bundeswehr vor. Die Zunahme unberechtigter Überflüge über Kritischen Infrastrukturen ist längst ein europäisches Phänomen. Energieanlagen, Verkehrsknotenpunkte und militärische Einrichtungen melden ähnliche Entwicklungen. Die Bedrohung ist diffus, technisch anspruchsvoll und organisatorisch herausfordernd. Das GDAZ bildet die erste institutionelle Antwort auf diese Lage. Es ist Analysehaus, Lagezentrum, Labor und Beratungsstelle zugleich. Sein Auftrag: Lage erkennen, Bedrohungen bewerten, Einsatzkräfte beraten und technische Entwicklungen vorantreiben. Die vier Arbeitseinheiten folgen dieser Logik. Die Einsatzberatung unterstützt Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und koordiniert einsatzrelevante Informationen. Lage und Analyse erstellt ein bundesweites Lagebild, beobachtet Trends und identifiziert Muster grenzüberschreitender Aktivitäten. Forschung, Entwicklung und Erprobung verknüpft technische Innovationen mit europäischen Projekten. Die Forensik wertet Vorfälle aus, entwickelt Methoden weiter und liefert belastbare Erkenntnisse für Ermittlungen und Prävention. Das Zentrum schafft erstmals einen strukturierten Rahmen für gemeinsame Lagebilder und abgestimmtes Handeln. Drohnenabwehr ist kein Spezialthema mehr, sondern ein sicherheitsrelevanter Querschnittsbereich. – Zurzeit liegt der Fokus auf behördlichen Sicherheitsakteuren, aber die Einbindung privater wird in Abhängigkeit der kapazitativen Entwicklung mitgedacht. Luftverkehr unter geopolitischem Druck Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Dr. Joachim Lang, machte deutlich, wie stark sich geopolitische Konflikte auf den europäischen Luftverkehr auswirken. Der Irankrieg, die Instabilität im Nahen Osten und der seit Jahren geschlossene russische Luftraum führen zu massiven Umleitungen, zu blockierten Drehkreuze und operativen Engpässen. Europäische Airlines müssen diese Restriktionen einhalten, während chinesische und arabische Carrier traditionelle Routen weiter nutzen – ein struktureller Wettbewerbsnachteil. Parallel wächst die Bedrohung durch elektronische Angriffe. Jamming und Spoofing stören GPS‑Signale, besonders in Grenzregionen zu Russland und in Konfliktzonen. Die EASA registriert seit 2022 einen deutlichen Anstieg solcher Vorfälle – ein Hinweis auf hybride Bedrohungen als sicherheitspolitischen Alltag. Der Luftverkehr werde damit selbst zur Kritischen Infrastruktur. Flughäfen geraten als wirtschaftliche und militärische Knotenpunkte in den Fokus von Sabotage, unberechtigten Drohnenüberflügen und Desinformation. Laut DFS Deutsche Flugsicherung seien für das Jahr 2025 225 Drohnenbehinderungen im Luftverkehr gemeldet worden, drei Viertel davon an Flughäfen; in 2024 seien es 161 gewesen. Mehrere Vorfälle führten zu Betriebseinstellungen und erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Langs Fazit: Luftsicherheit muss strategischer, europäischer und vorausschauender gedacht werden. Nur wenn Sicherheit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam betrachtet werden, bleibt der Luftverkehr handlungsfähig. Forschung, Technik und Ausbildung: die Zukunft der Luftsicherheit Mit READY legen Dr. Jenny Kathinka Krüger, Wissenschaftliche Referentin im Referat 24 Bundespolizeipräsidium, und Dr. Stephanie Walter, Dienstchefin Forschung und Entwicklung der Kantonspolizei Zürich, eine Analyse vor, die den Flughafen als sensibles Gefüge zeigt – First Lieutenant Marco Oosterveld, Royal Netherlands Marechaussee Marian Kortas, LBA-Außenstelle Berlin Polizeidirektor Dipl.-Ing. Sebastian Schulte, GDAZ DSD 2 | 2026

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