88 DSD 3 | 2026 NAMEN UND NACHRICHTEN Cybercrime: Sicherheitskonferenz rückte Top-Risiko in den Fokus Hybride Bedrohungen durch physische und digitale Angriffe setzen Deutschland immer stärker unter Druck. Dabei stehen Cyberattacken an der Spitze der Risikoskala – und werden durch die kriminelle Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) massiv forciert. Welche Folgen sich für den Unternehmensschutz ergeben, diskutierten rund 170 Expertinnen und Experten Anfang Juni auf der Sicherheitskonferenz STATE OF SECURITY von KÖTTER Security und German Business Protection in Berlin. KI verändert Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheitsarchitekturen in rasanter Geschwindigkeit. Sie eröffnet enorme Chancen – zugleich entstehen neue Risiken, neue Abhängigkeiten und neue Verantwortlichkeiten“, betonte Friedrich P. Kötter, Verwaltungsrat der KÖTTER Security Gruppe, bei der Veranstaltung im Allianz Forum. „Wenn der Schutz unserer Unternehmen nicht schon länger eine strategische Führungsaufgabe war, ist er es spätestens jetzt – im Zeitalter künstlicher Intelligenz.“ Grund: Unternehmen sehen sich heute nicht mehr nur klassischen IT-Angriffen ausgesetzt. Angriffe treffen zunehmend vernetzte Infrastrukturen, hybride Arbeitswelten, industrielle Steuerungssysteme und komplexe Lieferketten. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen physischer und digitaler Kriminalität immer stärker. Er appellierte daher an die Verantwortung jedes Unternehmenslenkers: „Sicherheit darf nicht erst beginnen, wenn ein Vorfall eingetreten ist. Sie muss integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein.“ Gleichzeitig verwies der Familienunternehmer darauf, dass Unternehmensschutz und speziell Cybersecurity noch aus einem zweiten Grund zwingend „Chefsache“ sein müssen: So machen neue regulatorische Vorgaben wie speziell die seit Ende 2025 auch in Deutschland geltende EU-NIS2-Richtlinie (Network and Information Security Directive) die Steuerung und Kontrolle von Sicherheit und Risikomanagement endgültig zur verpflichtenden Managementaufgabe – inklusive persönlichen Haftungsrisiken für Geschäftsführungen bei Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht. Hieran knüpften die weiteren Vorträge und Diskussionen an. Sie richteten den Blick u. a. darauf, welche Möglichkeiten KI zur Effizienzsteigerung, Prozessautomatisierung und Risikoerkennung eröffnet – und welche Verantwortung hieraus resultiert. Die DSD-Redaktion nahm diese Impulse zum Anlass für Fragen an die Referenten Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker und Prof. Dr. Key Pousttchi sowie Dirk H. Bürhaus. Künstliche Intelligenz ist schon jetzt nicht mehr aus dem Unternehmensalltag wegzudenken. Wie lassen sich die Chancen durch KI nutzen, ohne Risiken zu vernachlässigen? Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor am cyberintelligence.institute: Künstliche Intelligenz wird immer mehr zum zentralen Wettbewerbsvorteil. Doch mit ihr wachsen auch die Bedrohungen, speziell in Form KI-unterstützter Cyberkriminalität. Meine Leitlinie für unternehmerisches Handeln lautet daher: nutzenorientierte und risikozentrierte KI-Governance. Dies bedeutet konkret: Firmen können durchaus die Stärken von künstlicher Intelligenz nutzen, um ihre Marktpräsenz auszubauen. In gleichem Maße müssen parallel aber auch frühzeitig zentrale Sicherheitsprinzipien verankert werden. koetter.de Hochkarätige Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Key Pousttchi, Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Moderatorin Christine Kipke, Dr. Carolin Schilling-Schulz und Franziska Weindauer (von links)
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