82 DSD 3 | 2026 Generaldirektorin der CoESS – Confederation of European Security Services Stellv. Generaldirektor der CoESS – Confederation of European Security Services www.coess.eu Catherine Piana Alexander Frank Von der Strategie zur Einsatzbereitschaft: Europas Krisenvorsorge in die operative Realität überführen Von Catherine Piana und Alexander Frank Seit Jahren wird in vielen europäischen Ländern nicht mehr darüber diskutiert, ob die Sicherheitswirtschaft zur öffentlichen Sicherheit beitragen sollte, sondern welche Rolle, Verantwortlichkeiten und Aufgaben ihr übertragen werden sollten. Einige Länder haben die Zuständigkeiten der Branche erweitert, andere sind zurückhaltender geblieben. Unabhängig von den nationalen Modellen wird jedoch eines immer deutlicher: Die Sicherheitswirtschaft ist Teil des europäischen Resilienzsystems und muss dringend in die operative Krisenvorsorge eingebunden werden. Denn die Bedrohungslage in Europa ist hochdynamisch: Hybride Angriffe, Sabotageakte, Cybervorfälle, unerlaubte Drohneneinsätze und der Ausfall essenzieller Dienstleistungen entwickeln sich wesentlich schneller als die erforderlichen Entscheidungs- und Koordinierungsstrukturen. Bis Zuständigkeiten geklärt, Informationen ausgetauscht und die Zusammenarbeit organisiert sind, kann die Gelegenheit, Schäden zu verhindern oder zu begrenzen, bereits verstrichen sein. Vorsorge darf daher nicht erst beginnen, wenn eine Krise eintritt. Sie muss bereits vorher bestehen. Die europäische Sicherheitsdebatte tritt deshalb in eine neue Phase ein. Die Rolle der Sicherheitswirtschaft zu definieren, ist nicht mehr die zentrale Herausforderung. Die Branche erfüllt europaweit bereits vielfältige Aufgaben für die öffentliche Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz. Entscheidend ist vielmehr, ob Regierungen, Betreiber kritischer Infrastrukturen und die Sicherheitswirtschaft darauf vorbereitet sind, diese Fähigkeiten dann umfassend zu nutzen, wenn sie am dringendsten benötigt werden. Dieser Wandel zeigt sich auch darin, dass die Europäische Union Vorsorge zunehmend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet. Die EU-Strategie für eine Union der Krisenvorsorge (EU Preparedness Union Strategy) erkennt gemeinsam mit der RCE-Richtlinie und weiteren Resilienzinitiativen an, dass wirksame Krisenbewältigung nicht nur stärkere staatliche Kapazitäten erfordert. Ebenso entscheidend ist, alle relevanten Akteure bereits vor einem Notfall zu organisieren, zu koordinieren und zu mobilisieren. Von der Anerkennung zur Einsatzbereitschaft: die„Vorsorgelücke“ Die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung der Sicherheitswirtschaft ist in vielen Ländern ein wichtiger Fortschritt. Die Branche wird zunehmend als strategischer Partner beim Schutz kritischer Infrastrukturen, wesentlicher Dienste und der öffentlichen Sicherheit wahrgenommen. Anerkennung allein schafft jedoch noch keine Vorsorge. Eine Krise ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um herauszufinden, wer die Partner sind, wie Informationen ausgetauscht werden und welche Verantwortung die einzelnen Akteure übernehmen. Diese Fragen müssen lange vor einem Vorfall geklärt werden. Vorsorge bemisst sich daher nicht an der Zahl der beteiligten Organisationen, sondern daran, wie wirksam sie bereits vor dem ersten Notruf zusammenarbeiten. Diese Herausforderung lässt sich als„Vorsorgelücke“ beschreiben: die Differenz zwischen den vorhandenen Fähigkeiten und jenen, die tatsächlich in Vorsorgeplanung, Entscheidungsstrukturen und operative Zusammenarbeit eingebunden sind. Um diese Lücke zu schließen, müssen nicht in erster Linie neue Fähigkeiten geschaffen werden. Europa verfügt bereits über viele der benötigten Ressourcen. Sie müssen jedoch so organiEUROPA
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