62 DSD 3 | 2026 Aktuelle Akteure und Trends im Extremismus in Deutschland Von Prof. Dr. Stefan Goertz Hochschule des Bundes, Fachbereich Bundespolizei, Lübeck Dieser Beitrag stellt die persönliche Auffassung des Autors dar. Prof. Dr. Stefan Goertz Einleitung Im Vorwort zum Verfassungsschutzbericht 2025 des Bundesministeriums des Innern (BMI) stellt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sowohl die aktuelle Bedrohungslage durch die unterschiedlichen Extremismus-Phänomenbereiche als auch durch Spionage und Sabotage vor. Den Rechtsextremismus beschreibt der Bundesinnenminister als die „größte Bedrohung für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung“.1 Einerseits ist das rechtsextremistische Personenpotenzial im Jahr 2025 auf 59.850 Personen angestiegen, was einen Anstieg um mehr als 8.000 Personen gegenüber dem Jahr 2024 darstellt. Andererseits bewerten die deutschen Sicherheitsbehörden den Trend zur Verjüngung, Vernetzung und Gewaltbereitschaft im Rechtsextremismus in Deutschland als „besonders beunruhigend“.2 Auch die Gefahren durch den Islamismus und den islamistischen Terrorismus werden von den deutschen Sicherheitsbehörden unverändert als „erhebliche Gefahr“ bewertet. Das Bedrohungspotenzial gehe zunehmend von jungen, allein handelnden und online radikalisierten Tätern aus. Parallel dazu spielten organisierte Gruppierungen und Strukturen „eine tragende Rolle bei der Steuerung und Verbreitung von islamistischem Gedankengut“.3 Aber auch der Linksextremismus erfordere eine erhöhte Wachsamkeit, weil Bedrohungen durch diesen Extremismus-Phänomenbereich erheblich zugenommen haben, so Dobrindt. Das linksextremistische Personenpotenzial ist im Jahr 2025 auf 42.200 Personen angewachsen, der gewaltorientierte Anteil erreichte dabei einen neuen Höchststand von 11.600 Personen. Als aktuelle Beispiele, die von gewaltbereiten Linksextremisten ausgehen, führt Dobrindt die Brandanschläge auf die Berliner Stromversorgung im Septem1 Vgl. Bundesministerium des Innern (2026): Verfassungsschutzbericht 2025, S. 2. 2 Vgl. ebd. 3 Vgl. ebd. 4 Vgl. ebd. 5 Vgl. ebd., S. 25. 6 Vgl. ebd., S. 26. 7 Vgl. ebd., S. 90. ber 2025 und Januar 2026 sowie eine Anschlagserie in München und Umgebung an. Dabei wurde u. a. ein Brandanschlag auf 22 Transportfahrzeuge der Diensthundestaffel der Münchener Polizei verübt.4 Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 85.837 politisch motivierte Straftaten. Davon waren 30.397 (35,4 %) Propagandadelikte und 4.156 Straftaten (4,8 %) waren der politisch motivierten Gewaltkriminalität zuzuordnen.5 Insgesamt wurden im Jahr 2025 von den deutschen Sicherheitsbehörden 58.851 Straftaten (68,6 %) mit extremistischem Hintergrund ausgewiesen. Darunter waren 3.294 extremistische Gewaltdelikte. Von diesen extremistischen Straftaten wurden 36.951 der Kategorie „Politisch motivierte Kriminalität -rechts-“, 8.133 (2024: 5.857) der Kategorie „Politisch motivierte Kriminalität -links-“, 1.823 dem Bereich „Politisch motivierte Kriminalität -religiöse Ideologie-“ und 4.482 (2024: 4.534) dem Bereich„Politisch motivierte Kriminalität -ausländische Ideologie-“ zugeordnet. 7.462 (2024: 7.781) Straftaten wurden dem Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität -sonstige Zuordnung-“ gemeldet.6 Rechtsextremismus und rechtsextremistischer Terrorismus Bei gewaltorientierten Rechtsextremisten stellen die deutschen Sicherheitsbehörden einen sich fortsetzenden Trend zu immer jüngeren Akteuren fest, die teilweise noch minderjährig sind. Dies gilt sowohl für Personen, die sich in internationalen Chatgruppen der „Attentäter-Fanszene“ bewegen, als auch für Angehörige neuer gewaltorientierter Jugendgruppen. Deren Anhänger zeigen eine ausgeprägte Gewaltaffinität, die sich gegen szenetypische Feindbilder wie die LGBTQ-Community und politische Gegner richtet.7 WIRTSCHAFT UND POLITIK
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