63 DSD 3 | 2026 Seit dem Sommer 2024 beobachten die deutschen Verfassungsschutzbehörden die Existenz aktions- und gewaltorientierter (Jugend-)Gruppierungen, die bundesweit agieren. Diese bestehen sowohl aus Minderjährigen als auch aus jungen Erwachsenen, organisieren sich ausgehend vom virtuellen Raum auch realweltlich und verbreiten menschenfeindliche und gewaltaffine Ideologieelemente. Aktuelle Beispiele hierfür sind die Gruppierungen „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Der Störtrupp“, die wiederholt im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Störaktionen gegen öffentliche CSD-Veranstaltungen und Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung getreten sind.8 Auch im Jahr 2025 beobachteten die deutschen Sicherheitsbehörden die Entwicklung, dass (geplanten) rechtsextremistischen Gewalttaten häufig eine Radikalisierung im Internet vorausging. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden auf Social Media – auch auf Mainstream-Plattformen wie Instagram oder TikTok – sowie über eine weitverzweigte, häufig internationale Vernetzung über Messengerdienste wie Telegram und Onlineforen „menschenfeindliche Inhalte verbreitet, die bis hin zu extremen Gewaltfantasien und Mordaufrufen reichen“.9 „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ sind Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Begründungen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland negieren und deren Rechtssystem ablehnen. Der „Reichsbürger“- und „Selbstverwalter“-Szene waren im Jahr 2025 etwa 26.000 Personen zuzurechnen, was der Zahl des Vorjahres entsprach. Davon sind rund 1.400 Personen, also etwas mehr als fünf Prozent, zugleich dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen. Das gewaltorientierte Personenpotenzial der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ beläuft sich mit 2.600 8 Vgl. ebd., S. 98. 9 Vgl. ebd., S. 96. 10 Vgl. ebd., S. 152. 11 Vgl. ebd., S. 226–227. 12 Vgl. ebd., S. 162. 13 Vgl. ebd., S. 282. Menschen weiterhin auf etwa zehn Prozent des Gesamtpersonenpotenzials der Szene. Zu diesem Personenpotenzial zählen nach Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden gewalttätige Szeneangehörige sowie Personen, die durch Drohungen oder gewaltbefürwortende Äußerungen auffallen.10 Islamismus und islamistischer Terrorismus Der Islamismus umfasst verschiedene Strömungen, die sich hinsichtlich ihrer ideologischen Auslegungen, ihrer geografischen Orientierung sowie insbesondere der Art und Wahl ihrer Mittel zur Durchsetzung ihrer religiös-politischen Ziele unterscheiden, erläutern die deutschen Sicherheitsbehörden. Als aktuelle Trends im islamistischen Terrorismus in Deutschland und Europa identifizieren die deutschen Sicherheitsbehörden aktuell das Aufkommen immer jünger werdender islamistischterroristischer Akteure, teilweise unterhalb der mit 14 Jahren beginnenden Strafmündigkeit. Außerdem nehme die Bedeutung jihadistischer Ideologie ab, während gleichzeitig die Faszination für die Darstellung und Ausübung auch brutaler Gewalt stark zunehme, konstatiert das Bundesamt für Verfassungsschutz aktuell.11 Linksextremismus Das linksextremistische Personenpotenzial stieg im Jahr 2025 um 4.200 auf nunmehr 42.200 Personen an. Davon werden 11.600 Personen als gewaltorientierte Linksextremisten bewertet. Im Jahr 2025 richtete sich eine Vielzahl von Angriffen gegen allgemeine und Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sowie Wirtschaftsunternehmen, wobei die Intensität der Angriffe zunahm. Dies lasse sich an den hohen Schadenssummen und den verursachten, teilweise schwerwiegenden Auswirkungen auf die Bevölkerung erkennen, stellen die Verfassungsschutzbehörden fest. Linksextremisten verfolgen weiter ihre Strategie, mit derartigen Angriffen die von der verlässlichen Versorgung durch diese Infrastrukturen abhängigen Wirtschaftsunternehmen zu schädigen.12 Auslandsbezogener Extremismus In Bezug auf den Nahostkonflikt stellen die deutschen Sicherheitsbehörden auch für das Jahr 2025 fest, dass es im Kontext mit dem Nahostkonflikt wieder zahlreiche „propalästinensische“ bzw. anti-Israel Aktionen und Veranstaltungen gab. Berlin blieb dabei ein Protestschwerpunkt. Dabei stellen die deutschen Sicherheitsbehörden fest, dass säkulare propalästinensische Extremisten ihre Zusammenarbeit mit deutschen und türkischen Linksextremisten weiter intensivierten und verfestigten. Die verschiedenen extremistischen Bestrebungen bilden mittlerweile„spektrenübergreifende Netzwerke und organisieren zum Teil gemeinsam Demonstrationen und Veranstaltungen“.13 WIRTSCHAFT UND POLITIK Bild: # 1127133231 / istockphoto.com
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