DER SICHERHEITSDIENST

WIRTSCHAFT UND POLITIK 48 DSD 2 | 2026 Kriminalitätsentwicklung 2025/2026 Von Reinhard Rupprecht Vizepräsident des BKA a.D., Ministerialdirektor beim BMI a.D. und heute als unabhängiger Berater in Sicherheitsfragen tätig. Reinhard Rupprecht Am 20. April 2026 wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 vorgestellt. Der folgende Beitrag analysiert Veränderungen in der Kriminalitätsentwicklung mit dem Fokus auf die Belastung der Wirtschaft und ihrer Unternehmen. Gesamtkriminalität Die PKS 2025 registriert über 5,5 Millionen ermittelte Verdachtsfälle. Das ist ein Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die PKS zwar infolge der Einbeziehung Hunderter Deliktsarten und vor allem im historischen Vergleich ein wichtiges Messinstrument ist, ihre Aussagekraft aber begrenzt wird durch • das Dunkelfeld von Millionen nicht entdeckter oder nicht angezeigter Delikte, • den Erfassungszeitpunkt der Abgabe des Ermittlungsfalles an die Staatsanwaltschaft, also vor dem nachfolgenden justiziellen Ausfilterungsprozess, • die Nichtaufnahme von Staatsschutzdelikten, der meisten Verkehrsdeliktsarten, von Verstößen gegen strafrechtliche Landesgesetze, vom Zoll ermittelte Straftaten und vor allem von Delikten, die außerhalb Deutschlands begangen wurden, aber gegen Opfer in Deutschland gerichtet waren. Deren Zahl ist in den letzten Jahren beträchtlich angestiegen, so 2025 im Vergleich zum Vorjahr bei Betrug um 7 Prozent, bei der Cyberkriminalität um 3 Prozent. Die Aufklärungsquote (AQ) lag 2025 bei 57,9 Prozent, also fast gleich hoch wie 2024 (58 Prozent). Physische Kriminalität Die Gewaltkriminalität ist 2025 um 2,3 Prozent leicht gesunken, liegt aber insgesamt mit 212.000 Fällen auf einem hohen Niveau. Nicht deutsche Tatverdächtige sind mit 42,9 Prozent deutlich überrepräsentiert. Besonders zugenommen hat die Zahl der Angriffe auf Rettungs- und Sicherheitskräfte sowie Bahnpersonal. So ist in einer aktuellen Bestandsaufnahme in NRW festgestellt worden, dass 98 Prozent der medizinischen Rettungskräfte innerhalb eines Jahres mindestens einmal verbaler Gewalt oder Androhungen ausgesetzt waren (Crisis Prevention, 1/26, Seite 64–66). Die Anzahl der Messerangriffe war 2025 mit über 29.000 Fällen noch etwas höher als 2024. Bedrohungen mit einem Messer haben sogar um 9,5 Prozent auf 13.748 Fälle zugenommen. Am 11. April 2026 hat der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes vor russischen Anschlägen auf Manager der deutschen Rüstungsbranche gewarnt. Russland hat eine Liste mit europäischen Unternehmen veröffentlicht, die die Ukraine unterstützten. Auf der Liste standen auch drei Firmen in Deutschland: DaVinci Avias GmbH, Asirlogix und 3W Professional. Die Zahl der Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten hat sich nach einer Schätzung von PLATOW 2025 gegenüber dem Vorjahr, in dem die Fallzahl (456) schon um 40 Prozent zurückgegangen war, nahezu halbiert. Zu verdanken ist das einer besseren Zusammenarbeit der Betreiber mit den Sicherheitsbehörden. Immer mehr Banken haben Alarmanlagen und Überwachungskameras sowie einen Nachtverschluss mit Rollgitter installiert. Ein wirksames Abwehrmittel ist neben der automatischen Einfärbung der Banknoten nach Tresoröffnung eine inzwischen auch vom BKA zugelassene Reizgasanlage. Das Reizgas macht die Angreifer sofort vollständig handlungsunfähig (Protector, 8/25, Seite 20/21). Zudem hat sich eine Zunahme der Ermittlungserfolge ausgewirkt. Immer wieder kam es auch 2025 zu Raubüberfällen auf Unternehmen und Dienstleister (10 auf Geldinstitute, 5 auf Spezialgeldtransporte, 24 auf Geld- und Kassenboten, 306 auf Tankstellen). Auch die Diebstahlskriminalität belastete 2025 viele Unternehmen. Einfache oder schwere Diebstähle wurden nach der PKS 2025 begangen (in Tausend): in/aus Büros, Fabrikationsbereichen und Lagern 69, in/aus Gaststätten und Hotels 22, in/aus Verkaufsräumen 422, in/aus Automaten 112. Das Dunkelfeld nicht ermittelter Diebstähle ist je nach Deliktsart besonders hoch. Nach Schätzung des Einzelhandelsinstituts (EHI) blieben 24 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt oder wurden nicht angezeigt. Die EHI-Studie zu Inventurdifferenzen 2025 zeigt,

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