WIRTSCHAFT UND POLITIK 47 DSD 2 | 2026 (Potenzielle) Sabotage durch fremde Geheimdienste und deren Proxy-Akteure Das Niveau und die Quantität der Spionage und Sabotage gegen Europa, das russische und chinesische Geheimdienste vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten, waren bereits hoch, werden seither allerdings noch deutlich übertroffen. Die gegen europäische Staaten – Deutschland stellt hierbei einen Schwerpunkt dar – gerichteten Ziele von Spionage und (potenzielle) Sabotage durch fremde Geheimdienste sind zahlreich: Politik, Wirtschaft, KRITIS, vor allem die Energieversorgung. Die Geheimdienste von Staaten wie Russland, China und dem Iran nutzen für (die Vorbereitung von) Spionage und Sabotage sowohl Geheimdienstmitarbeiter als auch Proxy-Akteure („Low-Level-Agenten“,„Wegwerfagenten“).8 (Potenzielle) Sabotage durch gewaltorientierte„Aktivisten“ und Extremisten Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat das linksextremistische Themenfeld „Anti-Militarismus“ stark an Bedeutung gewonnen. Vor allem Unternehmen im Bereich Defence, aber auch Zulieferer und Dienstleister sind seither verstärkt in den Fokus gewaltorientierter Linksextremisten gerückt und es sind u. a. vermehrt linksextremistische Straftaten wie Farbangriffe und Sachbeschädigungen sowie auch Brandstiftungen zu verzeichnen. Zahlreiche Standorte von Unternehmen und der Bundeswehr wurden nach aktuellen Angaben der Verfassungsschutzbehörden bereits ausgeforscht und teilweise auf Szeneseiten im Internet als Angriffsziele benannt, was wiederum in der linksextremistischen Szene als Aufforderung zur Begehung von Straftaten verstanden werde, erklären die Verfassungsschutzbehörden.9 Linksextremistisch motivierte Brandstiftungen, Sachbeschädigungen an Fahrzeugen, Maschinen oder der Infrastruktur von Wirtschaftsunternehmen verursachen in Deutschland jedes Jahr Sachschäden in Millionenhöhe.10 Nach aktuellen Angaben der Verfassungsschutzbehörden richtete sich in den letzten Monaten eine hohe Anzahl linksextremistischer Straftaten gegen große, bekannte Wirtschaftsunternehmen sowie gegen Kritische und sonstige Infrastrukturen in Deutschland. Damit ge8 Vgl. https://www.bka.de/DE/Landingpages/LLA/lla_node.html (7.5.2026). 9 Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz (2024): Kompendium, S. 87. 10 Vgl. ebd., S. 87. 11 Vgl. Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2024, Juni 2025, S. 141. fährde der Linksextremismus nicht nur den Wirtschaftsstandort Deutschland, erklärt das BfV.11 Parallel dazu ist auch die breite Bevölkerung davon betroffen, wie u. a. der Brandanschlag auf die Stromversorgung von Tesla in Grünheide/Brandenburg (ein Krankenhaus und zahlreiche Privatwohnungen in Berlin und Brandenburg waren von dem massiven Stromausfall betroffen) sowie die Anschläge auf die Energieversorgung in Berlin zeigen (Anfang Januar 2026 und Anfang September 2025). Gegenmaßnahmen und Fazit Der Wirtschaftsschutz ist besonders herausgefordert, die Resilienz der deutschen Wirtschaft und von KRITIS ist auf einem bisherigen Peak von Angriffen und Herausforderungen. Um die Resilienz gegen Sabotage, Spionage und andere hybride Angriffe zu stärken, muss die sicherheitspolitische Zeitenwende begriffen und umgesetzt werden. Diese sicherheitspolitische Zeitenwende muss gesamtstaatlich, aber besonders auch von KRITIS und der Wirtschaft auf den Ebenen Strategie, Taktik, Personal und Technologie vollzogen werden. Diese beginnt mit einer sicherheitspolitisch-realistischen Analyse der Bedrohungsakteure und einer regelmäßig aktualisierten Analyse der Taktiken und Modi operandi dieser Akteure. Daran schließt sich die regelmäßige Überarbeitung von Schutzkonzepten an, auch externe Analysen/Beratung und red teaming gehören hierzu. Bild: # 1070242664 / istockphoto.com
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