WIRTSCHAFT UND POLITIK 44 DSD 2 | 2026 Sicherheit in vielen Bereichen sinnvoll unterstützen und entlasten, insbesondere dort, wo Prävention, Objektschutz, technische Überwachung oder operative Unterstützung gefragt seien. Krisenvorsorge und zivile Verteidigung Dr. Michael Münnich vom Bundesministerium des Innern gab Einblicke in die aktuelle Entwicklung des nationalen Krisenmanagements und der zivilen Verteidigung. Themen wie hybride Bedrohungen, Versorgungssicherheit und gesamtstaatliche Resilienz hätten in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Im Zusammenhang mit dem„Operationsplan Deutschland“ („Oplan“) werde zunehmend sichtbar, dass Staat und Wirtschaft enger zusammenarbeiten müssten. Kritische Infrastrukturen, Logistik, Versorgungsketten und Kommunikationssysteme seien ohne private Akteure nicht funktionsfähig. Münnich erklärte, dass private Sicherheitsdienstleister bereits heute in verschiedenen Bereichen des Krisenmanagements mitgedacht würden. Zugleich gebe es weiterhin Hürden – etwa bei Zuständigkeiten, Informationsflüssen oder rechtlichen Grundlagen. Wirtschaft fordert mehr Resilienz Die Perspektive der Wirtschaft brachte Dr. Rainer Kambeck von der Deutschen Industrie- und Handelskammer ein. Besonders der Mittelstand spüre die Auswirkungen der veränderten Sicherheitslage zunehmend direkt – sei es durch Cyberangriffe, Sabotagerisiken, steigende Anforderungen an Lieferketten oder neue regulatorische Vorgaben. Unternehmen seien heute verstärkt Ziel hybrider Bedrohungen, organisierter Kriminalität und wirtschaftsbezogener Angriffe. Deshalb müsse sich auch der Wirtschaftsschutz strategisch weiterentwickeln. Private Sicherheitsdienstleister könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen – insbesondere im Bereich Prävention, Risikoanalyse und Schutz Kritischer Infrastrukturen. Entscheidend sei jedoch, dass ihre Einbindung klar definiert und politisch gewollt werde. Viele Unternehmen stünden vor der Herausforderung, ihre Sicherheitsstrukturen umfassend modernisieren zu müssen. Häufig fehle es zugleich an Fachkräften, klaren Zuständigkeiten und praktikablen Lösungen. Kambeck machte deutlich, dass die Wirtschaft auf leistungsfähige Sicherheitsdienstleister angewiesen sei. Gerade mittelständische Unternehmen könnten viele Anforderungen gar nicht allein bewältigen. Umso wichtiger seien qualifizierte private Sicherheitsakteure, moderne Aus- und Weiterbildung sowie ein verlässlicher regulatorischer Rahmen. Gemeinsame Verantwortung für Sicherheit In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass sich die Rolle privater Sicherheitsdienstleister in den kommenden Jahren weiter verändern wird. Die Branche wird künftig stärker von Technologie geprägt sein, sich weiter spezialisieren und eine wichtigere Rolle bei strategischen Sicherheitsfragen übernehmen. Auf dem Podium herrschte Einigkeit darüber, dass Sicherheit nur im engen Zusammenspiel zwischen Staat und Wirtschaft funktionieren könne. Die Herausforderungen seien zu groß und zu komplex geworden, um sie isoliert zu bewältigen. Der Parlamentarische Abend des BDSW zeigte, dass die Sicherheitswirtschaft ihren Platz innerhalb der deutschen Sicherheitsarchitektur zunehmend selbstbewusst definiert. Die Branche fordert nicht nur politische Anerkennung, sondern bringt zugleich konkrete operative Fähigkeiten und Lösungen ein. Die zentrale Botschaft des Abends war eindeutig: Sicherheit braucht ein strategisches und verbindliches Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Sicherheitsbranche. Staatssekretär Florian Graf und Cornelia Okpara (v.l.) Moderatorin Elvan Korkmaz-Emre, Cornelia Okpara und Werner Landstorfer MdB Stephan Mayer Dr. Barbara Slowik-Meisel, Berliner Polizeipräsidentin (links), und Dr. Rainer Kambeck, DIHK
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