67 DSD 3 | 2026 Welche Veränderungen die Digitalisierung des Geldes für die Gesellschaft mit sich bringt, beleuchtete die Goethe-Universität Frankfurt. Thematisiert wurden unter anderem die zunehmende Privatisierung von Zahlungsinfrastrukturen, die engere Verknüpfung von Zahlungsverkehr und Konsumentenkrediten sowie die wirtschaftliche Nutzung von Zahlungsdaten. Gleichzeitig wurde auf Unterschiede beim Zugang zu Finanzdienstleistungen hingewiesen. Nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen von digitalen Angeboten, während Gebühren, Risiken und wirtschaftliche Vorteile unterschiedlich verteilt sind. Damit rücken Fragen der finanziellen Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit stärker in den Fokus der Debatte über die Zukunft des Zahlungsverkehrs. Einen weiteren Blick auf die Rolle des Bargelds warf die Universität Granada. Dort wurde auf ein auffälliges Phänomen hingewiesen: Während der Anteil von Bargeld an alltäglichen Zahlungen zurückgeht, wächst der Gesamtumlauf von EuroBanknoten seit Jahren kontinuierlich. Daraus lässt sich ableiten, dass Bargeld nicht ausschließlich als Zahlungsmittel genutzt wird. Es erfüllt zugleich Funktionen als Wertaufbewahrungsmittel und schafft Vertrauen in das Geldsystem. Gerade diese Eigenschaften verleihen Bargeld auch künftig eine eigenständige Bedeutung innerhalb des europäischen Währungssystems. Internationale Erfahrungen und gemeinsames Fazit Dass diese Entwicklung nicht auf Europa beschränkt ist, zeigten die internationalen Beiträge der Konferenz. Die Federal Reserve Financial Services präsentierte aktuelle Ergebnisse der Langzeitstudie „Diary of Consumer Payment Choice“. Danach nutzen rund 80 Prozent der US-Bevölkerung weiterhin regelmäßig Bargeld, mehr als drei Viertel führen es ständig mit sich, und etwa jede fünfte persönliche Zahlung erfolgt nach wie vor bar. Trotz der zunehmenden Digitalisierung hat sich das Zahlungsverhalten in den vergangenen Jahren insgesamt nur wenig verändert. Gleichzeitig gewinnen regionale und demografische Unterschiede bei der Nutzung einzelner Zahlungsmittel zunehmend an Bedeutung. Ergänzend stellte die Secure Cash Transport Association (SCTA) die Arbeit der Payment Choice Coalition vor. Die Initiative setzt sich in den USA für die freie Wahl des Zahlungsmittels ein und wirbt dafür, Bargeld als festen Bestandteil eines inklusiven, sicheren und resilienten Zahlungssystems zu erhalten. Wahlfreiheit, Datenschutz und Versorgungssicherheit wurden dabei als wesentliche Voraussetzungen eines funktionierenden Zahlungsverkehrs hervorgehoben. Die Diskussionen in Berlin machten deutlich, dass sich die Debatte längst von der Frage „Bargeld oder digital“ gelöst hat. Im Mittelpunkt stand vielmehr, wie beide Zahlungsformen ihre jeweiligen Stärken in einem leistungsfähigen und widerstandsfähigen Zahlungssystem einbringen können. Die Beiträge aus europäischen Institutionen, internationalen Organisationen, Wissenschaft und Praxis zeichneten dabei ein weitgehend einheitliches Bild: Bargeld bleibt auch im digitalen Zeitalter ein unverzichtbarer Bestandteil der Zahlungsinfrastruktur. Seine Bedeutung reicht weit über die Funktion als Zahlungsmittel hinaus. Es trägt zur Versorgungssicherheit bei, stärkt die Resilienz kritischer Infrastrukturen, ermöglicht finanzielle Teilhabe und sichert den Menschen die Wahlfreiheit bei der Entscheidung, wie sie bezahlen möchten. Damit erwies sich das Konferenzmotto „Why the Cash Industry is Crucial for Digital Payments“ nicht nur als Überschrift der Veranstaltung, sondern als gemeinsamer Nenner der unterschiedlichen Perspektiven. Bargeld und digitale Zahlungsmittel dürfen nicht als konkurrierende Systeme verstanden werden, sondern als sich ergänzende Bestandteile eines zukunftsfähigen Zahlungsverkehrs. GELD UND WERT
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