13 DSD 3 | 2026 KI – Chance oder Risiko? Teil 1 Von Reinhard Rupprecht Vor drei Jahren ist in dieser Fachzeitschrift dargestellt worden, wie KI den Sicherheitsdienstleister unterstützt.1 Seither ist die Entwicklung dieser Technologie weiter fortgeschritten: Zeit also, unter veränderten Vorzeichen danach zu fragen, welche Chancen und Risiken für die Unternehmenssicherheit und die Sicherheitswirtschaft bestehen. Nachfolgend werden Auswirkungen auf die Sicherheitstechnologien und einzelne Anwendungsbereiche für KI behandelt. In der DSD-Ausgabe 4 I 2026 werden regulatorische Vorgaben, Risiken und insbesondere der kriminelle Missbrauch beschrieben. 1 Künstliche Intelligenz unterstützt den Sicherheitsdienstleister, Reinhard Rupprecht in DSD 3/2023, Seite 44–48 2 FAZ vom 8. April 2025 KI revolutioniert die Sicherheitstechnologien Datenverarbeitung: Intelligente Verarbeitung großer Datenmengen ist nur mit Algorithmen möglich. Je nach Menge, Relevanz, Qualität und Zuverlässigkeit der Daten, mit denen Systeme trainiert werden, lässt sich die Leistungsfähigkeit der Datenbanken, die Mustererkennung und das Aufspüren von Anomalien optimieren. Vorwissen wird zu neuem Wissen synthetisiert. Sensortechnologie: KI steigert die Leistungsfähigkeit der Sensortechnologie. Das gilt für Bild-, Wärme- und Infrarotkameras ebenso wie für die Radar-, Laser-, LiDAR- und die RFID-Technologie. In der Videotechnologie optimiert KI die Bildanalyse. Das Spektrum der durch intelligente Algorithmen gesteuerten Bildanalyse reicht von der im Einzelfall über die Sehkraft des Menschen hinausgehenden Mustererkennung mittels hochauflösender Aufnahmen über sich selbst optimierende Lernprozesse der Erkennung von Verhaltensformen, Bildveränderungen und sich dabei zeigenden Anomalien bis zur automatisierten Alarmauslösung. Prozessoren, auf denen die intelligente Datenanalyse durchgeführt wird, wandeln die Bewegtbilder direkt in der Kamera in die erforderlichen Datenformate um (Edge-Analytics). Auch betrügerische Manuskripte kann KI-Software erkennen und aussortieren. So hat der Wissenschaftsverlag Springer Nature ein KI-Tool zur frühzeitigen Identifizierung solcher Texte eingeführt.2 Videotechnik: Damit Videoinformationen von Maschinen analysiert werden können, müssen sie in Daten umgewandelt werden (Datenabstraktion). Eine mit Trainingsdaten ausgestattete Videokamera versteht die wesentlichen Merkmale einer Person oder eines Objekts als Daten. Die intelligente Verknüpfung von KI mit den konventionellen Analyse-Algorithmen ermöglicht es, immer besser Personen und Objekte zu erkennen und zu verfolgen. Das führt auch zu einer erheblichen Reduzierung von Fehlalarmen. Gesichtserkennung: In der Biometrie hat KI die Gesichtserkennung revolutioniert. Das System kann eine Vielzahl von Vergleichspunkten und Vergleichsmaßen algorithmisch in Echtzeit auswerten. Es vergleicht die über einen Sensor aufgenommenen Gesichtsdaten mit den in einer Datenbank vorhandenen Referenzdaten. Das KIModell wird mit Daten trainiert, auch unterschiedliche Aufnahmen eines Gesichts als derselben Person zugehörig zu erkennen. Die Robotik basiert in ihren vielfältigen Anwendungen auf KI. Und auch in der Kryptotechnologie wird KI eingesetzt. Diese Fähigkeiten sind dort von besonderem Interesse, wo die Videoaufnahmen von Personen in Echtzeit mit Datenbanken abgeglichen werden dürfen, die zu Sanktionen führen können, so etwa in Hausrechtsbereichen zur Durchsetzung eines Betretungsverbots. Wie tagesschau.de am 21. Juli 2026 berichtet, konnte die Londoner Polizei mithilfe von mit Videokameras gescannten Gesichtsbildern von Personen im öffentlichen Raum seit 2024 durch Abgleich mit der Fahndungsdatei ca. 2.500 Tatverdächtige festnehmen. Vizepräsident des BKA a.D., Ministerialdirektor beim BMI a.D. und heute als unabhängiger Berater in Sicherheitsfragen tätig. Reinhard Rupprecht SICHERHEITSTECHNIK
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