14 DSD 3 | 2026 Audio Analytics: KI wird zunehmend auch zur Analyse charakteristischer Geräusche verwendet. Möglich ist z. B. die Detektion bevorstehender Aggressionen durch Analyse des auffälligen Schreiens von Personen. Der vom Audiosystem erfasste Glasbruch im Perimeterbereich z. B. von Museen lässt sich mit der automatischen Auslösung einer Videokamera verknüpfen. KI-Agenten: Agentic KI hebt die Automatisierung auf eine neue Stufe. KI-Agenten handeln zielorientiert und passen sich wechselnden Umgebungen an. Sie analysieren große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen, entwickeln selbstständig Strategien, automatisieren Standardprozesse und führen Aufgaben autonom aus. Sie können sich dynamisch weiterentwickeln und langfristige Pläne verfolgen. Allerdings können sie nach Überzeugung der meisten Experten nicht die für unternehmerische Innovationen erforderliche Kreativität erzeugen. Aus Algorithmen kommt keine schöpferische Dynamik. Anwendungsbereiche in der Unternehmenssicherheit Perimeterschutz: Die wichtigste elektronische Detektionstechnologie für den Perimeterschutz ist die durch KI optimierte Videoüberwachung. Je mehr Daten in das algorithmische Training einbezogen werden und je relevanter die Daten sind, umso mehr Szenarien können trainiert werden, sodass z. B. auch die Bewegungsrichtung und die Körperhaltung einer Person, die den Perimeterzaun überwinden will oder überwunden hat – etwa gebücktes Gehen oder Vorwärtsrollen am Boden – erkannt werden können. Aufgrund eines entsprechenden Trainings kann das System auch Teilansichten eines Körpers klassifizieren. Zutritts- und Zufahrtskontrolle: Bei der Zutrittskontrolle spielt KI in der Biometrie eine bedeutende Rolle. Das etablierteste Verfahren bei der Zutrittskontrolle ist die Fingerabdruckerkennung, bei der der Algorithmus die Minutien dem durch den Sensor gewonnenen Bild extrahiert. Die Messung des Fingerabdrucks hat sowohl eine sehr niedrige 3 Mit KI ein paar Schritte voraus, Hendrick Lehmann in Protector, 4/2026, Seite 32–34 4 Brandschutz im Bauwesen 1-23 5 Sicherheit.info vom 25. April 2023 6 save, 5/2025, Seite 22–25 7 Protector, 6/2025, Seite 28/29 Falschakzeptanzrate (0,001 %) wie eine niedrige Falschverweigerungsrate (ca. 1 %). Ebenfalls geeignet für die Identitätsprüfung bei der Zutrittskontrolle ist die Gesichtserkennung mittels KI. Die biometrische Identitätsprüfung ist vor allem bei der Zutrittskontrolle zu Sicherheitsbereichen wie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen oder Rechenzentren erforderlich. KI erweitert biometrische Verfahren um eine intelligente Auswertung der vorhandenen Informationen. Statt einzelne Ereignisse isoliert zu betrachten, analysiert KI die Kombination aus Identitäten, Bewegungen, Zeitpunkten und weiteren sicherheitsrelevanten Daten. Die eigentliche Stärke der KI liegt darin, große Mengen unterschiedlichster Informationen miteinander zu verknüpfen und daraus Muster abzuleiten. Sie identifiziert Personen nicht anhand unveränderlicher körperlicher Merkmale, sondern anhand ihres individuellen Bewegungsmusters.3 Für die Zufahrtskontrolle ist die Kennzeichenerfassung durch Videoüberwachung ein probates Mittel. Weitbereichsleser für Schranken oder Rolltore funktionieren auf Basis von Ultrahochfrequenz-Transpondern. Die Einfahrtsberechtigung lässt sich mit der Steuerung des Fahrzeugs im Kontrollbereich und mit der Zuweisung eines Parkplatzes verknüpfen. Brandschutz: Brandschutz für das Unternehmen wird durch KI optimiert. Auf Basis der Normen ISO 7240 und VdS 3847, die die erforderliche Leistungsfähigkeit einer Video-Branderkennung beschreiben, wird KI-basierte Branderkennungssensorik entwickelt. So arbeitet das von VdS Schadenverhütung zertifizierte Branderkennungssystem Aviotec von Bosch auf der Basis von KI-Algorithmen, die Feuer und Rauch bei wechselnden Wetter- und Lichtverhältnissen erkennen können. Insbesondere in Lagerhallen mit hohen Decken können herkömmliche Brandmeldesysteme (Rauchansaugsysteme) oft nicht so positioniert werden, dass eine rechtzeitige Detektion sichergestellt ist. Hier ist die videobasierte Branderkennung zumeist das geeignete System. KI-Algorithmen ermöglichen selbst in windigen Umgebungen Rauch- und Flammendetektion, reduzieren Falschalarme und optimieren die zuverlässige Früherkennung. Der Algorithmus wertet das physikalische Verhalten von Flammen und Rauch aus. Die Software analysiert Aufwärtsbewegungen transparenter Objekte mit konstanter Geschwindigkeit und erkennt so auch feinen Rauch.4 Das EdwardsModulaLaser-System arbeitet mit Algorithmen zur Staubunterdrückung. Durch automatische Anpassung an die jeweiligen Umgebungsbedingung sollen höchste Empfindlichkeit, optimale Alarmschwellen und niedrige Fehlalarmraten sichergestellt werden.5 Die Video-Branderkennung Fire Catcher FDV202 von Siemens ermöglicht es, Rauch und Flammen selbst auf offenen Flächen und in hohen Räumen zu erkennen.6 KI-basierte Evakuierungssysteme analysieren kontinuierlich verschiedene Faktoren wie Personendichte, Gebäudelayout, potenzielle Gefahrenquellen und verfügbare Ausgänge. Durch die Verarbeitung von Echtzeitdaten aus Sensoren, Kameras und Zutrittskontrollsystemen können diese Systeme dynamisch die effizientesten Evakuierungsrouten berechnen. Die Simulation berücksichtigt auch menschliche Faktoren wie Panikverhalten, unterschiedliche Gehgeschwindigkeiten und die Tendenz, bekannte Wege zu bevorzugen.7 Werkschutz: Das moderne Wächterkontrollsystem operiert digital. Das System i-safety etwa umfasst u. a. die Dokumentation von Kontrollgängen in Echtzeit, das Tracking der Streifengänge mittels GPS, eine intelligente Führung mit Positions- und Gefahrenhinweisen, eine „Totmannfunktion“, sensorgesteuert mit GPS-Ortung, automatische kundenbezogene Reports und interaktive Alarmierungspläne. Intelligente Algorithmen befähigen Sicherheitsroboter, Unregelmäßigkeiten und Hindernisse wahrzunehmen, Chemikalien aufzuspüren, jede Detektion zu dokumentieren und Reaktionen einzuleiten. Die vom Sicherheitsroboter erfassten Messdaten sind präzise, verlässlich und stehen in Echtzeit für die Analyse zur Verfügung. Sie können täglich ca. 25 km zurücklegen. Mit Wärmebildkamera und Audiosystem ausgerüstet können sie auch SICHERHEITSTECHNIK
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==