LUFTSICHERHEIT 24 DSD 2 | 2026 „READY“ – ein interdisziplinäres Forschungsprojekt: Perspektivenwechsel als ein Schlüssel zur Weiterentwicklung der Luftsicherheit Von Dr. rer. nat. Jenny Krüger und Dr. sc. ETH Stephanie Walter Flughäfen sind als kritische, hochkomplexe Infrastrukturen sowohl äußeren als auch inneren Bedrohungen ausgesetzt. Daher ist die systematische Analyse von potenziellen Sicherheitslücken elementar. Das Kooperationsprojekt READY („Reading the Enemy“) setzt genau hier an und erweitert bestehende Ansätze der Luftsicherheitsforschung um die Täterperspektive. Die Kantonspolizei Zürich hat im Januar 2023 das interdisziplinäre Forschungsprojekt READY mit der Förderung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt der Schweiz zusammen mit der Stiftung Risikodialog und HF Partners initiiert. Basierend auf der bestehenden Kooperationsvereinbarung zur humanen Sicherheitsforschung zwischen der Kantonspolizei Zürich und der deutschen Bundespolizei gelang zusätzlich eine länderübergreifende Studie. Ziel von READY ist die systematische Evaluation des gesamten Sicherheitssystems Flughafen aus Sicht potenzieller Täterinnen und Täter und hierbei im Speziellen von sogenannten Innentätern. Fokussiert wird, wie potenzielle Täter Informationen beschaffen, Entscheidungen treffen und Sicherheitsmechanismen wahrnehmen. Der Perspektivwechsel von Menschen, die sich täglich in diesen Systemen bewegen, ermöglicht es, in klassischen Risikoanalysen häufig verborgen bleibende sicherheitsrelevante Schwachstellen sichtbar zu machen. Somit ist ein zentrales Element von READY der sogenannte Red-Teaming-Ansatz. Dabei handelt es sich um eine strukturierte Methode zur kritischen Bewertung von Sicherheitssystemen, welche gezielt adversariale Perspektiven simuliert und Erkenntnisse zu verschiedenen Vorgehensweisen liefert. Dabei wurden Probanden mit und ohne Vorwissen eingesetzt, die unter kontrollierten Bedingungen mögliche Angriffsszenarien entwickeln. Die bisherigen Erkenntnisse des Projekts lassen sich entlang von vier zentralen Themenfeldern strukturieren: Täterprofile, Tatplanung, Maßnahmen sowie die praktische Anwendung im Rahmen der Studie„READY goes BER“. Im Bereich der Täterprofile zeigt sich, dass es zunächst keinen prototypischen Täter gibt, wobei die Möglichkeiten des privilegierten Zugangs zu Wissen, Prozessen und Infrastrukturen von Innentätern zu beachten sind. Ein wiederkehrendes Muster ist die sogenannte „Logik des Verfügbaren“. Täter orientieren sich stark an leicht zugänglichen Informationen und opportunistischen Gelegenheiten. Die Ausspähung vor Ort spielt dabei eine zentrale Rolle, wird jedoch häufig durch digitale Informationsbeschaffung ergänzt. In diesem Kontext gewinnt auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung. READY zeigt auf, dass KI sowohl für die automatisierte Auswertung von Open-Source-Daten als auch für Social-Engineering-Strategien genutzt werden kann. Gleichzeitig eröffnet KI aber auch neue Möglichkeiten für Sicherheitsbehörden, etwa im Bereich der Anomalieerkennung oder im Training von Einsatzkräften. Aufschlussreich sind die Ergebnisse zu Annahmen und der Vorbereitung auf eine polizeiliche Befragung. Eine Studie im Rahmen von READY zeigt, dass Täter ihre Vorbereitung häufig nur oberflächlich strukturieren. Statt detaillierter Planung dominiert eine flexible, situationsabhängige Improvisation. Diese wird teilweise bewusst als Strategie eingesetzt, um auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können. Gleichzeitig zeigt sich, dass unerwartete Nachfragen und die Anforderung verifizierbarer Details ein wirksames Mittel darstellen, um Täuschungsversuche zu erschweren. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für polizeiliche Befragungstechniken von hoher Relevanz. Als konkrete Maßnahme zur Förderung der Sicherheit unter Anwendung des Red-TeaDiplom-Psychologin, Wissenschaftliche Referentin, Regierungsdirektorin im Bundespolizeipräsidium, Luftsicherheitsaufgaben Psychologin, Dienstchefin für Forschung/Entwicklung der Flughafenpolizei-Stabsabteilung bei der Kantonspolizei Zürich Dr. rer. nat. Jenny Krüger Dr. sc. ETH Stephanie Walter
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==