DER SICHERHEITSDIENST

1 DSD 2 | 2026 EDITORIAL Präsident des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) Alexander Borgschulze Luftsicherheit 2040: Verantwortung im technologischen Wandel Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser, die Luftsicherheit in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Dieser Wandel dominiert längst die operative Realität an unseren Flughäfen. Als Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen vertreten wir Unternehmen, die täglich Verantwortung für eine Kritische Infrastruktur tragen – für Millionen Reisende, für die Sicherheit des Luftverkehrs und für die Stabilität eines hochvernetzten Systems. Gleichzeitig stoßen die bestehenden Strukturen zunehmend an ihre Grenzen. Steigende Passagierzahlen, ein angespannter Arbeitsmarkt, komplexere Bedrohungslagen und immer umfangreichere regulatorische Anforderungen erhöhen den Druck auf alle Beteiligten. Allein die zahlreichen europäischen, internationalen und nationalen Vorgaben wirken sich stetig und unmittelbar auf Prozesse, Ressourcen und Verantwortung aus. Hinzu kommt eine sicherheitspolitische Lage, die uns deutlich vor Augen führt, wie verletzlich moderne Infrastrukturen geworden sind. Internationale Konflikte, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und die Gefahr terroristischer Anschläge: Luftsicherheit ist längst mehr als eine operative Aufgabe am Flughafen – sie ist Teil der geopolitischen Sicherheitsvorsorge. Wir müssen uns dieser Realität mit Klarheit stellen. Unsere Branche braucht eine strategische Neuausrichtung. Die Luftsicherheit der Zukunft wird technologischer, automatisierter und zugleich anspruchsvoller sein. Technologie ist dabei keine Ergänzung mehr, sondern eine notwendige Grundlage für ein stabiles und leistungsfähiges Sicherheitssystem. CT-Scanner, KI-gestützte Bildauswertung, biometrische Verfahren oder automatisierte Spurendetektion sind bereits Teil der Realität oder zumindest der Entwicklung, die unsere Branche nachhaltig verändern wird. Das Bild für die Luftsicherheit 2040 ist ein technikdominiertes, aber menschlich verantwortetes System. Der Sicherheitsprozess am Flughafen wird für Reisende schneller, effizienter und in vielen Bereichen nahezu unsichtbar ablaufen. Hochleistungsfähige Systeme analysieren Gepäck in Echtzeit, bewerten Risiken konsistent und erkennen Muster präziser, als es heute möglich ist. Doch eines bleibt unverändert: Verantwortung ist nicht automatisierbar. Der Mensch bleibt unverzichtbar – dort, wo Bewertung, Eingriff und Verantwortung erforderlich sind. Luftsicherheitskontrollkräfte werden künftig weniger Routineaufgaben übernehmen, dafür stärker Prozesse überwachen, Qualität sichern und in komplexen Situationen Entscheidungen treffen. Die Tätigkeiten werden anspruchsvoller, spezialisierter und qualitativ aufgewertet. Damit verändert sich auch die Rolle der Sicherheitsdienstleister grundlegend. Wir sind nicht mehr nur personelle Dienstleister, sondern Betreiber hochkomplexer Sicherheitssysteme und Integratoren von Technik, Prozessen und Menschen. Moderne Luftsicherheit braucht Transparenz, Akzeptanz und leistungsfähige Unternehmen mit klaren Zuständigkeiten, langfristiger Verantwortung und unternehmerischem Gestaltungsspielraum. Der BDLS ist aktiver Mitgestalter dieses Wandels. Wir bringen die operative Realität in politische Diskussionen ein, bauen Brücken zwischen Behörden, Flughäfen und Unternehmen und setzen uns für ein zukunftsfähiges Gesamtsystem ein. Denn wenn wir diesen Wandel nicht aktiv gestalten, werden uns Strukturveränderungen, operative Krisen und kurzfristige Notlösungen dazu zwingen – ein Risiko für die Stabilität und letztlich auch für die Sicherheit des Luftverkehrs. Luftsicherheit 2040 steht deshalb für die Verbindung von technologischer Innovation, qualifizierten Beschäftigten und verantwortungsvollen Sicherheitsdienstleistern. Nur wenn Politik, Behörden, Flughäfen und Unternehmen gemeinsam handeln, wird daraus ein leistungsfähiges und nachhaltig tragfähiges System entstehen. Als BDLS sind wir bereit, diesen Wandel verantwortungsvoll, realistisch und mit klarem Blick auf die Zukunft mitzugestalten. Ihr Alexander Borgschulze

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