32 DSD 3 | 2026 SICHERHEITSTECHNIK Vom OWKS zum AIWKS – die nächste Evolutionsstufe der Wächterkontrolle Von Christian Heidrich Die Sicherheitsbranche befindet sich im Wandel. Steigende Anforderungen seitens der Auftraggeber, zunehmender Fachkräftemangel und immer komplexere Einsatzszenarien sorgen dafür, dass Sicherheitsdienstleister heute unter einem deutlich höheren organisatorischen Druck arbeiten als noch vor einigen Jahren. Neben der eigentlichen Sicherheitsleistung wächst vor allem der Aufwand im Hintergrund: Dienstpläne müssen erstellt und laufend angepasst, spontane Ausfälle kompensiert, Vorfälle dokumentiert und Informationen koordiniert werden – oft unter erheblichem Zeitdruck. Digitale Systeme sind deshalb längst kein optionales Hilfsmittel mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Sicherheitsorganisationen. Besonders Online-Wächterkontrollsysteme, kurz OWKS, haben in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, Prozesse zu digitalisieren und transparenter zu machen. Kontrollgänge lassen sich digital nachweisen, Ereignisse dokumentieren und Leistungen gegenüber Kunden nachvollziehbar belegen. Die Ablösung papierbasierter Prozesse war ein wichtiger und notwendiger Schritt für die Branche. Doch obwohl OWKS die Wächterkontrolle modernisiert hat, zeigt sich in der Praxis zunehmend eine neue Realität: Die reine Digitalisierung von Kontrollpunkten löst längst nicht alle Herausforderungen des Alltags. Ein klassisches OWKS beantwortet vor allem operative Fragen: Wurde ein Rundgang durchgeführt? Wann wurde kontrolliert? Wer war vor Ort? Diese Informationen sind wichtig und bleiben ein essenzieller Bestandteil professioneller Sicherheitsarbeit. Im Alltag vieler Unternehmen entstehen die größten Herausforderungen jedoch an anderer Stelle – nämlich immer dann, wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind. Ein typisches Beispiel: Ein Mitarbeiter meldet sich kurzfristig krank, während eine wichtige Schicht in Kürze beginnt. Nun muss innerhalb kürzester Zeit eine Lösung gefunden werden. Wer ist verfügbar? Wer besitzt die notwendigen Qualifikationen? Wer befindet sich in der Nähe des Einsatzortes? Wer darf arbeitszeitrechtlich überhaupt noch eingesetzt werden? Und welche Auswirkungen hätte eine Umplanung auf andere Objekte oder Schichten? In vielen Unternehmen beginnt in solchen Situationen intensive Handarbeit. Dienstpläne werden geprüft, Excel-Tabellen geöffnet, Mitarbeiter telefonisch kontaktiert und Informationen aus verschiedenen Systemen zusammengesucht. Häufig sind Erfahrung, Bauchgefühl und Improvisation entscheidend dafür, ob schnell eine gute Lösung gefunden wird. Hinzu kommt: Solche Situationen treten selten isoliert auf. Während parallel ein Kunde anruft, im Wachbuch neue Meldungen eingehen und an anderer Stelle ein Rundgang verspätet startet, müssen Disponenten in Sekunden Prioritäten setzen. Genau in diesen Momenten zeigt sich, wie schnell operative Komplexität zur Belastung werden kann. Nicht die Kontrolle selbst wird zum Engpass – sondern die Fähigkeit, Informationen schnell zu bewerten und daraus die richtige Entscheidung abzuleiten. Genau hier zeigt sich, wo die nächste Entwicklungsstufe digitaler Systeme ansetzt. Die Zukunft liegt nicht mehr ausschließlich in Systemen, die Informationen erfassen und speichern. Sie liegt in Systemen, die Informationen verstehen, Zusammenhänge erkennen und den Menschen aktiv bei Entscheidungen unterstützen. Damit entwickelt sich das klassische OnlineWächterkontrollsystem weiter – hin zu einem AIWKS, einem Artificial-Intelligence-Wächterkontrollsystem. Der Unterschied ist grundlegend. Ein OWKS dokumentiert, was passiert ist. Ein AIWKS hilft dabei, zu entscheiden, was als Nächstes passieren sollte. Ein KI-gestütztes System betrachtet Informationen nicht isoliert, sondern im Gesamtkontext. Es kennt Rollen, Zuständigkeiten, Qualifikationen, Schichtmodelle und objektbezogene Anforderungen. Es erkennt Muster, bewertet Prioritäten und kann innerhalb von Geschäftsführer der VDQ Business Solutions GmbH www.logpro.de Christian Heidrich
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