1 DSD 3 | 2026 EDITORIAL Präsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) Werner Landstorfer KI und Robotics: Zukunft gestalten statt abwarten Die Sicherheitswirtschaft befindet sich im Wandel – so wie sie es immer war. Aktuell befindet sie sich, wie die meisten anderen Wirtschaftszweige und die Gesellschaft insgesamt, allerdings in einem außergewöhnlichen Veränderungsmodus: Ein zunehmender Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an den Schutz Kritischer Infrastrukturen und neue Bedrohungslagen verlangen nach innovativen Antworten. Künstliche Intelligenz und Robotik gehören dabei zu den Technologien, die unsere Branche nachhaltig verändern werden – nicht irgendwann, sondern bereits heute. Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob diese Entwicklungen kommen. Sie sind längst Realität. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie gestalten wir diesen Wandel verantwortungsvoll und im Sinne der Menschen, die täglich für Sicherheit sorgen? Die private Sicherheitswirtschaft war schon immer eine Branche, die sich an neue Herausforderungen angepasst hat. Sie verbindet Erfahrung mit Innovationsfähigkeit und trägt Verantwortung in Bereichen, die für das Funktionieren unseres Gemeinwesens unverzichtbar sind. Genau diese Haltung brauchen wir auch im Umgang mit künstlicher Intelligenz und Robotik. KI kann Sicherheitskräfte bei der Auswertung großer Datenmengen unterstützen, Auffälligkeiten schneller erkennen oder Prozesse effizienter gestalten. Robotische Systeme können gefährliche, körperlich belastende oder monotone Aufgaben übernehmen, beispielsweise bei Kontrollgängen in weitläufigen Industrieanlagen, in der Perimetersicherung oder bei der Unterstützung logistischer Abläufe. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, vorhandene personelle Ressourcen gezielter einzusetzen. Dabei darf eines jedoch nie aus dem Blick geraten: Sicherheit bleibt ein Geschäft der Verantwortung. Entscheidungen mit weitreichenden Folgen erfordern weiterhin menschliches Urteilsvermögen, Erfahrung und ethische Abwägung. Technologie kann unterstützen, sie kann beschleunigen und entlasten – sie ersetzt jedoch nicht die Verantwortung der Menschen, die sie einsetzen. Gerade deshalb müssen wir die Einführung neuer Technologien aktiv begleiten. Dazu gehören klare rechtliche Rahmenbedingungen, verbindliche Qualitätsstandards und eine konsequente Qualifizierung der Beschäftigten. Wer KI-Systeme nutzt, muss ihre Möglichkeiten ebenso verstehen wie ihre Grenzen. Vertrauen entsteht nicht allein durch technische Leistungsfähigkeit, sondern durch Transparenz, Nachvollziehbarkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Für die Sicherheitswirtschaft eröffnet sich zugleich eine große Chance. Moderne Technologien können dazu beitragen, den Beruf attraktiver zu machen, körperliche Belastungen zu reduzieren und neue Tätigkeitsprofile zu schaffen. Die Arbeit in unserer Branche wird vielfältiger, technischer und anspruchsvoller. Damit wachsen auch die Anforderungen an Aus- und Weiterbildung. Lebenslanges Lernen wird zunehmend zu einer selbstverständlichen Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Die private Sicherheitswirtschaft wird auch künftig vor allem eines leisten: Sicherheit durch Menschen. Künstliche Intelligenz und Robotik verändern die Werkzeuge, mit denen wir arbeiten – nicht aber den Kern unseres Auftrags. Unsere Beschäftigten bleiben die entscheidenden Akteure, wenn es darum geht, Situationen richtig einzuschätzen, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu schaffen. In diesem Jahr existiert die private Sicherheitswirtschaft in Deutschland bereits 125 Jahre. Diese 125 Jahre einer Branche stehen für Anpassungsfähigkeit, Professionalität und den Willen, Verantwortung zu übernehmen. Diese Tradition verpflichtet uns, den technologischen Wandel nicht passiv zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten. Wenn wir Innovation mit Kompetenz, Qualität und klaren ethischen Maßstäben verbinden, werden KI und Robotik nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem wichtigen Baustein für eine moderne, leistungsfähige und resiliente Sicherheitswirtschaft. Die Zukunft der Sicherheit wird deshalb weder ausschließlich analog noch vollständig automatisiert sein. Sie wird dort erfolgreich sein, wo qualifizierte Menschen und intelligente Technologien ihre jeweiligen Stärken sinnvoll miteinander verbinden. Ihr Werner Landstorfer
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