DER SICHERHEITSDIENST

IT- UND CYBERSICHERHEIT 8 DSD 1 | 2026 Blackout als Stresstest: wie Sicherheitsdienstleister bei Strom- und IT-Ausfall handlungsfähig bleiben Von Prof. Dr. Raphael Röttinger und Eugen Röttinger Ein Stromausfall wirkt im ersten Moment simpel. Licht aus‚ Notbeleuchtung an‚ fertig. In der Sicherheitswelt zeigt sich jedoch schnell‚ dass der eigentliche Schaden nicht aus der Dunkelheit entsteht‚ sondern aus dem Verlust von Ordnung: Daten fehlen‚ Verbindungen brechen ab‚ Zuständigkeiten werden unscharf. Und das Tempo‚ mit dem Außenstehende reagieren‚ ist höher als die Geschwindigkeit‚ mit der verlässliche Lagebilder entstehen. Ein Blackout ist daher weniger ein technisches Einzelproblem als ein Belastungstest für Prozesse‚ Führung und Resilienz. Für Sicherheitsdienstleister ist das besonders relevant. Sie stehen an der Schnittstelle zwischen Betreiber‚ Mitarbeitenden‚ Technikdienstleistern‚ Behörden und oft auch der Öffentlichkeit. In vielen Objekten sind sie die erste Organisation‚ die vor Ort sichtbar handelt. Das ist Chance und Risiko. Wer vorbereitet ist‚ stabilisiert Abläufe und Vertrauen. Wer improvisiert‚ erzeugt Folgeschäden‚ die lange nach dem Ereignis wirken. Dieser Beitrag verbindet Lessons Learned aus der Praxis mit konkreten Maßnahmen. Im Fokus stehen typische Bruchstellen‚ die in Blackout-­ Szenarien immer wieder auftreten. Dazu gehören Notstrom und Energieversorgung‚ Netze und Provider‚ Cloud und Leitstellen-IT‚ Zutritts- und Videosysteme. Darauf aufbauend werden praxistaugliche Fallback-Prozesse beschrieben. Zum Schluss findet sich eine kompakte Checkliste für Betreiber und Sicherheitsdienstleister. Ein kurzer Abschnitt beleuchtet Kommunikation und Pressearbeit‚ weil jeder größere Ausfall Reichweite erzeugt und damit Öffentlichkeitswirkung. Warum Stromausfall selten nur Stromausfall ist Wer Blackout sagt‚ meint oft ein flächendeckendes‚ langes Ereignis. In der Realität gibt es viele Abstufungen. Lokale Ausfälle durch Baustellen oder Defekte‚ kurze Unterbrechungen mit wiederkehrenden Einbrüchen‚ Spannungsprobleme‚ die Systeme instabil machen. Ebenso gibt es teilweise Ausfälle‚ bei denen Energie da ist‚ aber Netzverbindungen fehlen. Für die Sicherheitslage ist diese Unschärfe besonders tückisch. Sie verhindert klare Routinen. Man ist nicht im normalen Betrieb‚ aber auch nicht im klaren Krisenmodus (Geier & Lauwe‚ 2023). Sicherheitsfunktionen sind heute eng gekoppelt: Kameras laufen über IP‚ Zutrittskontrollen passieren elektronisch‚ Alarmierungen werden zentral verarbeitet. Auch die Dienstplanung und Lagekommunikation hängen von mobilen Daten ab. Sobald Strom oder Netz wegfallen‚ brechen in kurzer Zeit mehrere Kontroll- und Komfortschichten weg (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe‚ 2019). Ein wiederkehrendes Muster ist die gefährliche Zwischenphase. Viele Systeme laufen nach dem Ausfall noch weiter: USV-Anlagen puffern‚ Akkus erlauben den Weiterbetrieb‚ Mobilfunkmasten haben Reserven. Diese Phase wirkt beruhigend‚ sie kann aber trügerisch sein. Wer dann nicht priorisiert und umstellt‚ verliert später die Kontrolle‚ wenn Reserven auslaufen (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe‚ 2019). Notstrom und Energieversorgung Die Versorgung mit Notstrom ist ein Klassiker‚ dennoch ist er in vielen Objekten nicht konsequent zu Ende gedacht. Häufig gibt es ein Aggregat‚ aber keine saubere Lastplanung. Oder der Generator speist zwar bestimmte Kreise‚ doch ausgerechnet Netzwerkkomponenten‚ Türcontroller oder Leitstellenarbeitsplätze hängen am falschen Strang. In anderen Fällen ist das Aggregat dimensioniert‚ aber die Treibstofflogistik ist ungeklärt (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe‚ 2024). Geschäftsführer der Röttinger Unternehmensgruppe Er ist Professor mit besonderer Expertise in den Bereichen Terror/Amoklagen und der Bewältigung von Chaosphasen und verfü gt ü ber mehrere internationale Lehraufträge, unter anderem in der operativen Terrorismusabwehr. Seine Schwerpunkte umfassen zudem das Krisen- und Notfallmanagement sowie die interorganisatorische Fü hrungslehre fü r besondere Einsatzlagen. Geschäftsführer der Röttinger Unternehmensgruppe Er ist ehemaliger Journalist in leitender Funktion und war Mitglied der Chefredaktion einer großen deutschen Tageszeitung. Er absolvierte ein Masterstudium Krisen- und Notfallmanagement. Ebenfalls diverse Aus- und Weiterbildungen im Bereich der zivilen Sicherheit und Veranstaltungsbranche. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit betrifft den Bereich Krisenkommunikation. Prof. Dr. Raphael Röttinger Eugen Röttinger

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