DER SICHERHEITSDIENST

68 DSD 1 | 2026 DAS LETZTE WORT Die wirtschaftspolitische Lage der Sicherheitswirtschaft in Deutschland 2026 Von Rechtsanwältin Cornelia Okpara Die Sicherheitswirtschaft in Deutschland nimmt in der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte eine zunehmend zentrale Rolle ein. In einem Umfeld globaler Unsicherheiten – geprägt von geopolitischen Spannungen, Cyberattacken und gesellschaftlichen Risiken – wächst der Bedarf an professionellen Sicherheitsleistungen. Gleichzeitig steht die Branche vor wirtschaftspolitischen, strukturellen und regulatorischen Herausforderungen, die ihre Zukunft maßgeblich bestimmen. Ökonomisch präsentiert sich die Sicherheitswirtschaft weiterhin robust. Die Branche hat in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum verzeichnet. Besonders die Nachfrage nach Cyber- und IT-Sicherheitslösungen wächst stark, da viele Unternehmen Cyberangriffe inzwischen als existenzielle Bedrohung ansehen und dementsprechend hohe Ausgaben in digitale Sicherheitslösungen investieren. Aber auch klassische Sicherheitsdienstleistungen bleiben gefragt. Trotz dieser positiven Indikatoren ist die Sicherheitswirtschaft in das größere wirtschaftspolitische Umfeld Deutschlands eingebettet, das durch Unsicherheiten geprägt ist. Die gesamtwirtschaftliche Investitionsbereitschaft leidet unter politischer Unsicherheit und globalen Handelsrisiken, die Unternehmen verunsichern und Investitionen bremsen. Dies wirkt langfristig auch auf technologieintensive Bereiche wie Sicherheitslösungen. Ein weiterer wichtiger politischer Akzent liegt auf der gesamtstaatlichen Resilienz: Im Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik wird herausgestellt, dass wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Sicherheitsvorsorge verknüpft sind. Unternehmen werden nicht nur als Wirtschaftsakteure, sondern auch als Kritische Infrastruktur betrachtet, deren Schutz eine gesamtstaatliche Aufgabe ist. Trotz Wachstum stehen die Unternehmen vor Herausforderungen. Der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema: Die Nachfrage nach qualifizierten Sicherheitskräften übersteigt das Angebot, und viele offene Stellen können nicht schnell besetzt werden. Dies betrifft sowohl den klassischen Objekt- und Personenschutz als auch zunehmend technologiegetriebene Bereiche wie Cybersecurity. Zudem zeigt die Branchenstruktur, dass viele Sicherheitsdienstleister noch traditionelle Geschäftsmodelle verfolgen und unter hohem Wettbewerbsdruck stehen. Die Digitalisierung wird daher nicht nur als technologische Chance, sondern auch als notwendiger Wettbewerbsfaktor verstanden. Hier sind politische Impulse gefragt, etwa in Form von Förderprogrammen für digitale Innovationen oder Vereinfachungen im regulatorischen Umfeld. Die sicherheitspolitische Wahrnehmung in der Bevölkerung ist angespannt: Eine aktuelle Deloitte-Umfrage zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen in den nächsten Jahren mit einer Verschlechterung der Sicherheitslage rechnet,insbesondere im Bereich der Kritischen Infrastruktur und bei Cyberangriffen. Diese gesellschaftliche Erwartungshaltung verstärkt den Druck auf Politik und Wirtschaft, Sicherheitsstrategien weiterzuentwickeln und in die Sicherheitswirtschaft zu investieren. Insgesamt steht die Sicherheitswirtschaft wirtschaftspolitisch stabil da: Sie zeigt Wachstum, Beschäftigungseffekte und Innovationspotenzial. Gleichzeitig ist sie ein Spiegelbild gesamtwirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen. Für eine langfristig positive Entwicklung braucht es gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen, um Fachkräfte zu sichern, Investitionen in digitale Sicherheit zu fördern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Sicherheitslösungen weiter zu stärken. Im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Erwartung, globaler Unsicherheit und wirtschaftlicher Transformation bleibt die Sicherheitsbranche ein zentraler Akteur für die zukünftige nationale Sicherheitsstruktur. Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) RAin Cornelia Okpara

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