WIRTSCHAFTSSCHUTZ 47 DSD 1 | 2026 Schwachstellen im System Warum der Schutz vor Spionage und Sabotage oft Stückwerk bleibt Von Andreas Albrecht Freier Fachredakteur und Journalist Andreas Albrecht Die Bedrohung durch Spionage, Sabotage und gezielte Einflussnahmen ist real und sie betrifft längst nicht mehr nur Behörden oder Ministerien. Sicherheitsbehörden berichten seit 2025 von einer massiven Zunahme hybrider Angriffe, die sich längst auch gegen private Unternehmen richten, vom kleinen Mittelständler über Betreiber Kritischer Infrastrukturen bis hin zu börsennotierten Konzernen. Handelt es sich bei den Angriffen nicht um Erpressungsversuche (Ransomware), bleiben die Interessen der oft unbekannten Angreifer meist im Dunkeln. Geht es um geistiges Eigentum? Um Marktkenntnisse? Um Zugang zu Produktionsanlagen? Oder doch um gezielte Destabilisierung kritischer Infrastruktur durch Staaten, die es nicht gut mit Deutschland meinen? Gerade weil die Motive oft unklar sind, wird ein umfassenderes Schutzkonzept immer dringlicher, das staatliche Prävention, unternehmerische Eigenverantwortung und die Rolle der privaten Sicherheitswirtschaft effektiv miteinander verzahnt. Staatliche Initiativen: viel Angebot, wenig Struktur Immerhin: Politik und Sicherheitsbehörden haben das Thema Wirtschaftsschutz mittlerweile deutlich stärker auf der Agenda als noch vor wenigen Jahren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) etwa widmet der Wirtschaftsspionage ein eigenes Kapitel im jährlichen Verfassungsschutzbericht. Dort werden regelmäßig konkrete Fallbeispiele dokumentiert, etwa Spionageversuche im Hochtechnologiebereich oder strategisch motivierte Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste im Umfeld von KI, Halbleitertechnik oder Energieversorgung. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWK) wurde das Referat Wirtschaftsschutz etabliert. Mit der Initiative WISIND („Wirtschaftsschutz- Initiative Deutschland“) stellt das Ministerium Handlungsempfehlungen, Leitfäden und Ansprechpartner vor allem für kleine und mittlere Unternehmen bereit. Und auch das BfV bietet Workshops, Schulungen und Checklisten für Unternehmen an, die sich gegen Ausspähung und Sabotage wappnen wollen. Doch aus Sicht vieler Unternehmen fehlt es bei den gut gemeinten Angeboten an Struktur und Zugänglichkeit. Wer sich informieren will, steht häufig vor einem Dschungel an PDF-Dokumenten von Anträgen und redundanten Angeboten. Zudem klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander. Die viel zitierte„vertrauensvolle Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft“ bleibt häufig ein Lippenbekenntnis und in der Praxis Stückwerk. Die zahlreichen Maßnahmen und Unterstützungsangebote sind oft schlecht oder überhaupt nicht koordiniert und Unternehmen klagen über unklare Zuständigkeiten, hohe bürokratische Hürden und mehrere verschiedene Ansprechpartner. Gerade für mittelständische Betriebe mit begrenzten personellen Ressourcen stellt dies eine große Herausforderung dar. Fallbeispiel Drohnenabwehrzentrum Berlin: Anspruch und Realität Ein Beispiel für die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und operativer Umsetzung ist das neue Drohnenabwehrzentrum in Berlin. Ende 2025 als zentrale Koordinationsstelle angekündigt, sollte es der zunehmenden Bedrohung durch unbemannte Flugobjekte Rechnung traBild: # 690772190 / istockphoto.com
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