WIRTSCHAFT UND POLITIK 25 DSD 1 | 2026 Bei den Motivlagen der Ebenen 3) und 4) sind u. a. finanzielle Aspekte, Unzufriedenheit, fehlende Identifikation, geringe Loyalität zum Unternehmen, dem Unternehmen schaden wollen, Faktor „Ego“, Streben nach Anerkennung, „Freundschaftsdienst“, thrill seeking, außergewöhnliche Erfahrungen machen zu nennen. Bei den Bedrohungsebenen 1 und 4 sind zu Beginn der Anbahnung durch fremde Geheimdienste Anreize zu nennen, später oder auch von Beginn an aber auch Druckaufbau, Kompromittierung (finanzielle Abhängigkeiten, Straftaten etc.) und Zwang zur Spionage/Sabotage. Bei (potenziellen) Innentätern mit politischer, extremistischer Motivlage stellen die Verfassungsschutzbehörden fest, dass„Extremisten als Innentäter erheblichen Schaden für Wirtschaftsunternehmen verursachen können“.6 (Potenzielle) Innentäter abwehren – Prävention und Reaktion Im Rahmen von Wirtschaftsschutz beschreiben die Verfassungsschutzbehörden Maßnahmen und Lessons Learned zur Prävention und Reaktion in Bezug auf (potenzielle) Innentäter und unterscheiden dabei zwischen 1) Pre-Employment Screening, 2) Awareness, 3) Frühzeitig handeln, 4) Maßnahmen einleiten und 5) Monitoring. Sensibilisierungsmaßnahmen, bevor sich im Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer extremistischen Motivlage zum (potenziellen) Innentäter entwickeln, beschreiben die Verfassungsschutzbehörden als „wichtigen Baustein“.7 Hierzu gehören u. a. eine sicherheitsorientierte Personalauswahl (OSINT, Social-Media-Recherchen), Awareness aufbauen und stärken, regelmäßig aktualisierte Risikoanalysen (mögliche Angreifer und Angriffswege), Übungen und Szenarien (u. a. mit Red Teams), regelmäßig zu aktualisierende Schutzmaßnahmen und Schutzkonzepte, regelmäßige Kooperations- bzw. Mitarbeitergespräche, frühzeitiges Identifizieren von Radikalisierungsanzeichen. Vor allem im Bereich politische, extremistische Motivlage bei (potenziellen) Innentätern, aktuellen Akteuren und Trends im Extremismus, deren Mustern, Social Media Content etc. ist eine Beratung durch Experten (Extremismusforschung, Radikalisierungsforschung) von großer Bedeutung. Fazit Zu den bei Spionage- und Sabotageaktivitäten eingesetzten Akteuren und Mitteln zählen Menschen (HUMINT – human intelligence, dabei potenziell auch als Innentäter) ebenso wie Cyberangriffe und andere technische Aufklärungsmittel. Solche geheimdienstlichen Aktivitäten stellen eine ernsthafte Bedrohung für Deutschland und andere europäische Staaten dar. Die Gefährdungslage, die von Spionage und (potenzieller) Sabotage in Deutschland und anderen europäischen Ländern ausgeht, hat sich durch den Russland-Ukraine-Krieg signifikant verschärft. Auch wenn nicht jeder vermutete Sabotagevorfall von russischen Geheimdiensten initiiert wurde, profitiere die russische Regierung von der „dadurch entstehenden Unsicherheit“, so das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV).8 Die aktuell zu verzeichnende Vermischung von Aktivitäten staatlicher und nicht staatlicher Akteure (Proxy-Akteure) erschwert außerdem eine Zuordnung und ermöglicht es fremden Geheimdiensten, Verantwortung abzustreiten. Oben wurden vier Ebenen analysiert, auf denen die Motivationen bzw. Motivlagen (potenzieller) Innentäter beschrieben wurden. Das BfV bewertet zur Abwehr potenzieller Innentäter für Wirtschaftsunternehmen Sensibilisierungsmaßnahmen, Schulungen, Fortbildungen zur Stärkung der Awareness als„wichtigen Baustein“.9 Bei Fragen zum Thema (potenzielle) Innentäter kontaktieren Sie mich gerne unter stefan.goertz@polizei.bund.de 6 Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz (2024): Extremismus. Eine Gefahr für Wirtschaft und Wissenschaft, S. 2. 7 Vgl. ebd. 8 Bundesamt für Verfassungsschutz (2025): Gefährdungen durch russische Spionage, Sabotage und Desinformation, S. 20–21. 9 Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz (2024): Extremismus. Eine Gefahr für Wirtschaft und Wissenschaft, S. 2. Bild: # 846874272 / istockphoto.com
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