WIRTSCHAFT UND POLITIK 24 DSD 1 | 2026 Spionage, Sabotage, Wirtschaftsschutz – (potenzielle) Innentäter Teil 2 Von Prof. Dr. Stefan Goertz Spionage und Sabotage – die aktuelle Bedrohungslage Anders als zum Ende des 20. Jahrhunderts muss sich die Bundesrepublik Deutschland nach aktuellen Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz jetzt und in der Zukunft in einem hochdynamischen, multipolaren Umfeld als wehrhafte Demokratie behaupten.1 Deutschland ist als Mitglied der EU und der NATO verschiedenen Bedrohungen eines neuen Ost-West-Konflikts ausgesetzt. Einem neuen Ost-West-Konflikt, der durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine begann. Autoritäre Regime mit leistungsfähigen Geheimdiensten„führen mit strategischer Ausdauer einen Systemwettkampf gegen Demokratien, betreiben die Destabilisierung der liberalen Ordnung und attackieren asymmetrisch die Schwachstellen offener Gesellschaften“, erklärt die Hausleitung des Bundesamtes für Verfassungsschutz.2 Hybride Angriffe, strategisch weitreichende und eng koordinierte Cyberattacken, Spionage und Sabotage sind Teil aktueller Bedrohungen dieses neuen Ost-West-Konflikts. Vor allem Russland, das System Putin, definiert das Verhältnis zu den westlichen Demokratien als offen feindlich. Hinzu kommen weitere radikal antiwestliche Regime, Organisationen und Bewegungen, beispielsweise der Iran samt seiner Geheimdienste, die HAMAS und andere islamistische Organisationen. Deutschland ist als größter Mitgliedstaat der EU, zweitgrößtes NATO-Mitglied und drittgrößter Wirtschaftsstandort der Welt für die Geheimdienste von Staaten, die Deutschland als Systemrivalen betrachten, beispielsweise Russland, China und Nordkorea, von besonderem Interesse. Ihre Geheimdienstaktivitäten haben nach aktuellen Angaben der deutschen Verfassungsschutzbehörden erhebliche negative Auswirkungen für Deutschland, für die Politik, die Wirtschaft und insbesondere auch für Kritische Infrastrukturen. Teil des Instrumentenkastens hybrider Aktionen dieser Geheimdienste sind Spionage, Cyberattacken, Sabotage und Desinformationskampagnen. Sabotageakte können nach aktueller Analyse der deutschen Sicherheitsbehörden weitreichende Folgen für KRITIS und damit das öffentliche Leben haben.3 Das BKA zählte im Jahr 2025 mindestens 321 Sabotageverdachtsfälle in Deutschland (Hellfeld, das Dunkelfeld ist sehr wahrscheinlich deutlich größer). Das BKA registrierte diese Sabotageverdachtsfälle in den Kategorien „Bahnanlagen/ -schienen“, „Bundeswehr“, „Kraftwerk/Firma Öl/Gas/Kohle“, „Polizei“, „Funkmast/Relaisstation“, „Umspannwerk/Strommast/-leitung“, „Wasserwerk/ -versorgung“, „Flughafen/-verkehr“, „Sonstige Behörde/Verwaltung“ und„Sonstige Infrastruktur“.4 Wer wird wie und warum zum Innentäter? Die deutschen Verfassungsschutzbehörden beschreiben Innentäter als „Personen, die in Unternehmen, in Forschungseinrichtungen oder anderen Organisationen Informationen entwenden, unautorisiert weitergeben oder andere schädigende Handlungen ausführen. Beschäftigte können auch unbewusst zu Innentätern werden, z. B. wenn sie durch Social Engineering manipuliert wurden“5. Innentäter können von außen (fremde Geheimdienste und/oder deren Proxys sowie andere Akteure) angebahnt werden oder aber Selbstanbieter, walk-in sein. Derzeit bestehen aktuelle Bedrohungen durch Innentäter auf der Ebene 1) (potenzielle) Innentäter und fremde Geheimdienste (sowie deren Proxys), 2) politische, extremistische Motivation, 3) alle anderen Motivlagen (u. a. finanzielle Aspekte, psychische Faktoren) sowie 4) Mischformen der Ebenen 1 bis 3. 1 Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz (2025): 75 Jahre im Auftrag der Demokratie, S. 10. 2 Ebd. 3 Vgl. ebd., S. 47–48. 4 Vgl. https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/bka-sabotage-verdacht-100.html (08.02.2026). 5 Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/I/innentaeter.html (08.02.2026). Hochschule des Bundes, Fachbereich Bundespolizei, Lübeck Dieser Beitrag stellt die persönliche Auffassung des Autors dar. Teil 1 dieser Beitragsserie wurde in der DSD-Ausgabe 4 I 2026 veröffentlicht. Prof. Dr. Stefan Goertz
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