DER SICHERHEITSDIENST

WIRTSCHAFT UND POLITIK 21 DSD 1 | 2026 Sicherheitsdienstleistung Brandschutz Von Reinhard Rupprecht Mehrere aufsehenerregende Brandkatastrophen haben sich in jüngster Zeit ereignet. Sie geben Anlass, erneut darüber nachzudenken, welche Herausforderungen der Brandschutz für Sicherheitsdienstleister (SDL) im Rahmen des Angebots von Gesamtlösungen bildet. Drei Brandkatastrophen aus jüngster Zeit • Am 26. November 2025 gerieten sieben der acht nebeneinanderstehenden Wohnhochhäuser in dem 31-stöckigen Apartmentkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Distrikt Tei Po in Hongkong in Brand. In dem Häuserkomplex wohnten etwa 4.000 Menschen, von denen 40 Prozent älter als 65 Jahre alt sind. Mindestens 160 von ihnen kamen durch das Feuer ums Leben. Das Feuer war bei Renovierungsarbeiten ausgebrochen und hatte sich über die Baugerüste aus Bambus und Schaumstoffplatten vor den Fenstern rasant ausgebreitet. Das Brandalarmsystem in den Gebäuden war defekt. • Im schweizerischen Ski-Zentrum Crans-Montana kam es in der Silvesternacht 2025 zu einem Brand, der 40 Menschen das Leben kostete und 116 weitere zum Teil sehr schwer verletzte. Er entstand, als nach dem Jahreswechsel Kellner maskierte Bedienungen auf den Schultern zu den Tischen trugen, die 30 bis 40 Sekunden lang brennende Wunderkerzen auf Champagnerflaschen in den Händen hielten. Diese Wunderkerzen entzündeten die Dämmung, die aus akustischen Gründen an der Decke der Bar befestigt war. Dieses Material, das der Betreiber nach seinem Geständnis in einem Baumarkt gekauft hatte, war offenbar leicht entflammbar, statt den Vorschriften entsprechend nicht brennbar. • Im Berliner Südwesten wurde am 3. Januar ein Anschlag auf das Stromnetz verübt. An einer Brücke über den Teltowkanal wurden mehrere Brandsätze gezündet. Anschließend fiel in 45.000 Haushalten und 2.200 Gewerbebetrieben der Strom aus. Erst vier Tage danach waren alle betroffenen Haushalte und Betriebe wieder an das reparierte Stromnetz angeschlossen. Ermöglicht wurde der von einer linksextremistischen Gruppierung („Vulkan“) begangene Anschlag dadurch, dass viele Informationen zum Netzverlauf im Internet zugänglich waren. Gesamtlösung In den letzten Jahrzehnten haben Unternehmen, die über keine eigene Sicherheitsorganisation verfügen, insbesondere KMU, zunehmend statt einzelner Sicherheitsdienstleistungen eine Gesamtlösung für ihre Unternehmenssicherheit in Auftrag gegeben. Einen wesentlichen Teil dieser Gesamtlösung bildet der den Rechtsvorschriften, dem Stand der Technik und den Erfordernissen des jeweiligen Unternehmens entsprechende Brandschutz. SDL, die Gesamtlösungen anbieten, müssen den Brandschutz in das Angebot einbeziehen. Innerhalb der Gesamtlösung ist der Brandschutz Teil der Risikoanalyse ebenso wie der Sicherheitskonzeption und des Betriebs. Die Kundenberatung bezieht sich auf den baulichen, den technischen und den organisatorischen Brandschutz. Methodisches Vorgehen Um den schon bestehenden Brandschutz der Objekte, deren Betreuung der SDL in der Gesamtlösung anbietet, richtig bewerten, eventuelle Schwachstellen systematisch erfassen und ergänzende Maßnahmen nach sachgerechten Prioritäten empfehlen zu können, ist ein methodisches Vorgehen angezeigt, wie es etwa der „Sicherheitsberater“ in der Ausgabe 1/2026 beschreibt1. Dazu sind alle relevanten Informationen zu erfassen und zu bewerten. Wenn diese Bewertung nach einer Punkteskala erfolgt, lässt sich der bestehende Brandschutzzustand des jeweiligen Objekts in einem Gesamtscore erfassen. In bestimmten Intervallen sollten die Bewertungen wiederholt werden, um festzustellen, ob sich der Brandschutzzustand verbessert oder verschlechtert hat. Eine kontinuierliche Qualitätssicherung kann am besten durch Anlage eines „BrandVizepräsident des BKA a.D., Ministerialdirektor beim BMI a.D. und heute als unabhängiger Berater in Sicherheitsfragen tätig. Reinhard Rupprecht 1 https://www.sicherheits-berater.de/

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