DER SICHERHEITSDIENST

1 DSD 1 | 2026 EDITORIAL Präsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) Werner Landstorfer Cybersecurity in Deutschland Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser, in der heutigen Zeit sind Cyberangriffe längst kein Randphänomen mehr. Sie treffen Kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kommunen, mittelständische Unternehmen sowie Bundesbehörden gleichermaßen. Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist Deutschland dabei ein attraktives Ziel, welches zugleich jedoch erstaunlich verletzlich ist. Es stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob wir angegriffen werden, sondern wie gut wir in jenem Fall vorbereitet sind. Und genau hier klafft eine gefährliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In Politik und Wirtschaft ist das Problembewusstsein hierfür gewachsen – Strategiepapiere, Aktionspläne und neue Gesetze zeigen, dass Cybersecurity auf der Agenda steht. In der Praxis wirkt vieles allerdings fragmentiert und reaktiv. Die Zuständigkeiten sind breit verteilt, die Entscheidungswege sind lang und häufig wird erst gehandelt, wenn der Schaden bereits entstanden ist. In einer digitalen Bedrohungslage, die sich täglich weiterentwickelt, stellt dies ein strukturelles Risiko dar. Auch die Situation im Bereich der Kritischen Infrastrukturen ist kritisch zu bewerten. Energieversorgung, Gesundheitswesen, Verkehr und Verwaltung sind durch die fortschreitende Digitalisierung zunehmend von IT-Systemen abhängig. Deren Absicherung wird jedoch vielerorts nicht mit der gleichen Geschwindigkeit modernisiert. Als zuständige Behörde für die Cybersicherheit in Deutschland stärkt das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) mit dem NIS-2-Umsetzungsgesetz die IT-Sicherheit in Wirtschaft und Verwaltung und plant ab diesem Jahr den „Cyber Shield“ zur automatisierten Abwehr von Angriffen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fungiert dabei als zentrales Organ, das als Cybersicherheitsbehörde die IT-Lage beobachtet und verbindliche Standards festlegt. Auch wir als Bundesverband der Sicherheitswirtschaft haben die wachsende Bedeutung hybrider Bedrohungen erkannt. Mit der Gründung unseres Fachausschusses Cybersecurity im vergangenen Jahr haben wir für unsere Mitgliedsunternehmen eine zentrale Informations- und Austauschplattform geschaffen – im engen Dialog mit BMI und BSI und mit direktem Zugang zu aktuellen Entwicklungen. Wir begrüßen den engen Austausch und Kontakt mit der Bundesregierung sehr. Er ermöglicht es uns, die Rolle der privaten Sicherheitswirtschaft im Gesamtkonzept eines sicheren Deutschlands sichtbarer zu machen und zugleich aktiv an tragfähigen Lösungen mitzuwirken. Im neuen Jahr möchten wir als Verband viele Themen, die wir im vergangenen Jahr angestoßen haben, weiter vorantreiben, und ich bedanke mich für all die Unterstützung durch andere Verbände und Mitgliedsunternehmen, die die Veränderungen gemeinsam mit uns weiter angehen und vorantreiben. Nur gemeinsam können wir unsere Themen mit klarer Linie vorantreiben und unserer Branche die Sichtbarkeit verschaffen, die sie für die notwendigen Änderungen braucht. Ich freue mich, unsere Mitgliedsunternehmen sowohl durch unsere Fachausschüsse, unseren Newsletter als auch unser Format „KID“ über die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen unserer Themen auf dem Laufenden halten zu können. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg im Bereich Cyber- und Informationssicherheit und viel Spaß beim Lesen! #besserzusammen Ihr Werner Landstorfer

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